Charlottes Blick 13 – Red Heaven (Text, Mystery)


Cover zur Geschichte 'Charlottes Blick 13 - Red Heaven' : Ein großes Wohnzimmer in einer Studentenverbindung. Charlotte putzt den verdreckten Raum. Auf zwei Sofas liegen schlafende Männer. Alkoholflaschen und eine Tüte mit Pillen liegen auf dem Boden.


Eine neue Droge überschwemmt den Campus der Universität von British Columbia und findet viele Abnehmer. Woher die Pillen stammen, und wer sie herstellt, liegt im Dunkeln. Die Polizei kommt nicht weiter, und so wird Charlotte engagiert, um undercover zu ermitteln. Doch nicht nur die Privatdetektivin versucht, die Drogenküche aufzuspüren. Bald schon sieht sie sich einer lebensbedrohlichen Situation in luftiger Höhe gegenüber.

Gesamtlänge: 17.600 Wörter
von marcm200

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Leseprobe – der Anfang der Geschichte:

„Es tut mir leid, Miss Bernstedt“, sagte Mr Theobald, „dass ich Ihnen nur so wenige Informationen geben kann. Aber das ist unglücklicherweise alles, was Campus Security und Police Department in diesem Fall herausgefunden haben.“

In einer verlegen wirkenden Geste schob er das schwarze Namensschild mit dem silbern glitzernden Aufdruck seiner Stellung, ‚Dean of UBC, Vancouver‘, ein Stück zur Seite. Die Wanduhr hinter dem Leiter der Universität von British Columbia schlug in diesem Moment 2 p.m. Im großzügig dimensionierten und mit viel dunklem Holz edel eingerichteten Büro war es angenehm kühl im Vergleich zu den fast schon tropischen Temperaturen im Freien. Ein großer Deckenventilator drehte langsam seine Runden.

Charlotte nippte an der Erfrischung, welche die Sekretärin kurz nach ihrer Ankunft hereingebracht hatte. „Aber es gibt immerhin eine erste Spur, wo das Drogenproblem auf dem Campus seinen Ursprung haben könnte – die Studentenverbindungen“, stellte sie den wichtigsten Punkt heraus. Charlotte registrierte, wie der Dean beim Wort ‚Drogenproblem‘ zusammenzuckte, ging aber nicht darauf ein. Negative Presse würde, wenn ihre Ermittlungen keinen Erfolg zeigten, das geringste Problem sein, mit dem sich Theobald würde herumschlagen müssen.

Ein Plan hatte sich während des Gesprächs in Charlottes Verstand geformt. „Ich benötige eine Liste aller studentischen Verbindungen, dazu die Pläne der entsprechenden Gebäude sowie eine Aufstellung der Servicekräfte, die in diesen Häusern eingesetzt werden.“

Theobald räusperte sich. Sein Blick drückte Unverständnis aus. „Wozu Gebäudepläne und Putzkolonnen?“

„Routinevorgehen“, gab Charlotte kurz angebunden zurück. Sie wollte ihrem Auftraggeber nicht zuviel über ihr Vorgehen verraten, wusste sie doch nicht, inwieweit der Dean in die Drogengeschäfte, die es nachweislich auf dem Campus gab, involviert war. Vielleicht handelte er ja mit ihrer Beauftragung nach der Devise, dass Angriff die beste Verteidigung sei.

„Nun gut“, stimmte Theobald zu. „Ich kann Ihnen aber nur die Liste der Reinigungsfirmen geben, welche die Universität beauftragt. Jede Verbindung kann selbstverständlich privat andere Firmen einsetzen, wenn sie sich nicht auf unsere Vermittlung verlassen möchte.“

„Das ist für den Anfang völlig ausreichend.“

„Meine Sekretärin wird alles zusammenstellen. Ich lasse sie Ihnen per Kurier zukommen. Bis wann erwarten Sie die Unterlagen?“

„Möglichst sofort.“

Dean Theobald erhob sich.

Auch Charlotte stand aus dem Ledersessel in der Besucherecke auf und strich ihr in dezentem Grau gehaltenes Businesskostüm glatt. Sie setzte die Brille ab und ließ sie an der Schnur um den Hals baumeln. Zusammen mit der eleganten Hochsteckfrisur und dem Make-up, das sie etwas älter wirken ließ, machte sie ganz den Eindruck einer Lehrbeauftragten, die an einem Institut beschäftigt war. Theobald hatte gebeten, dass das Treffen zwischen ihm und der Privatdetektivin nach außen den Anschein eines Kennenlerngesprächs für eine sich zukünftig ergebende Möglichkeit einer Lehrtätigkeit erwecken sollte. Er hatte jegliches Aufsehen vermeiden und dem Flurfunk keine Nahrung geben wollen, und so stand im Terminkalender seiner Sekretärin nur: ‘Bernstedt, MBA, PhD Global Economics, Erstgespräch.‘

Der Dean öffnete die gepolsterte Bürotür und sagte so laut, dass es die Sekretärin im Vorzimmer hören musste: „Miss Bernstedt, Sie hören von uns. Es war ein sehr informatives, konstruktives Gespräch. Mit Ihrer Qualifikation wären sie eine willkommene Bereicherung für unsere Universität.“

„Auf Wiedersehen, Mr Theobald“, erwiderte Charlotte und ging an dem Mann vorbei. Sie nickte der Sekretärin freundlich zu und hörte noch, wie Theobald die Anweisung erteilte, einige Listen zusammenzustellen, die er für ein administratives Konzept benötigte.

Charlotte verließ das Hauptverwaltungsgebäude und trat ins Freie, wo zwei mächtige Säulen das Vordach trugen. Die heiße Luft, die ihr entgegenfloss, wirkte fast wie eine Wand. Nach einem Blick auf die Armbanduhr schlug die Privatdetektivin, obwohl es noch etwas zu früh für ihre zweite Verabredung auf dem Campus war, den Weg zum Studentencafé ein.

Julia Loeb, die angehende Journalistin, die Charlotte nach der Flugzeugentführung kennengelernt hatte, und mit der sie eine lockere Freundschaft verband, war noch nirgends auszumachen. So nahm sich Charlotte einen Tee und ein Stück Apfelkuchen von der Selbstbedienungstheke, zahlte den Preis für Gäste und setzte sich an einen der runden Tische im Außenbereich, von wo aus sie einen guten Blick auf die vorbeiströmenden Studentenmassen besaß.

Während sie wartete, ließ sie Revue passieren, was sie zu ihrem neuen Auftrag erfahren hatte. Viel war es wirklich nicht.

Vor ein paar Wochen war auf dem Campus das erste Mal eine neue Pille mit dem Namen Blue Heaven aufgetaucht. Der Flurfunk sprach von unvergesslichen Trips und sensationellen Glücksgefühlen. War der Trip vorbei, blieben angeblich keine Nachwirkungen. Campus Security hatte sich des Falls angenommen und ein paar der Pillen ergattert, war den eigentlichen Hintermännern aber nicht nähergekommen. Auch die Polizei hatte, außer der Verhaftung einiger Kleindealer, nichts erreichen können. Die Quelle schien ein eher kleines Labor zu sein. Zumindest legten das die chemischen Analysen der Polizei nahe, die beim Vergleich mehrerer Pillen der künstlichen Droge recht hohe Schwankungen im Gehalt der Inhaltsstoffe festgestellt hatte. Ein Großlabor, vielleicht sogar mit maschineller Hilfe, würde stabilere Chargen erzeugen.

Aber es gab Gerüchte, dass eine der Verbindungen auf dem Campus ihre Finger im Spiel hatte. Und dort wollte Charlotte mit ihren Nachforschungen ansetzen.

„Hi, Charlotte!“, rief plötzlich eine junge Mädchenstimme. Rennende Schritte erklangen, und kurz darauf ließ sich Julia, die 19-jährige Studentin aus Cheesapeak, der Privatdetektivin gegenüber nieder. Ihren Rucksack warf sie unter den Tisch, schob mit einem Tritt nach und stieß seufzend die Luft aus.

„Hi, Julia. Stressiger Tag?“

„Kannst du wohl sagen. Dieser ganze rechtliche Kram interessiert mich so überhaupt nicht.“ Sie strich sich die langen, blonden Haare in den Nacken und schloss für einen Moment die Augen. „Na, ich hole mir mal was zur Stärkung.“

Nachdem Julia sich mit Kaffee und Croissant versorgt hatte, unterhielten sich die Freundinnen über alles Mögliche, bevor Charlotte auf das eigentliche Thema des Treffens zu sprechen kam.

„Sag mal, Julia, was weißt du über Blue Heaven?“

Julia grinste. „Dachte ich es mir doch. Du in einem Businessoutfit, das muss man gesehen haben. Das passt so gar nicht zu dir. Du bist mehr der sportliche Typ.“

„Lenk nicht ab!“, unterbrach Charlotte und grinste zurück. Ihr war natürlich klar, dass die Reporterin Lunte riechen würde. Ein unverdächtiges Aushorchen war deshalb gar nicht der Plan gewesen. „Also, was hört man so auf Studentenebene?“

„Das Übliche. Tolles Zeug, total ungefährlich. Ein paar schwärmen regelrecht davon.“

„Von wem stammen die Pillen?“

Julia hob die Schultern und biss das andere Ende des Croissants ab. „Das weiß niemand. Man muss jemanden kennen, der jemanden kennt, und so weiter. Flüsterpropaganda eben. Ich selbst bin an die Dinger noch nicht rangekommen. Wer immer es verkauft, ist sehr vorsichtig bei Neukunden.“

Charlotte gab ein weiteres Stück Zucker in ihren Tee und rührte um. „Kennst du jemanden, der es genommen hat?“

„Warum willst du das wissen? Hast du einen neuen Auftrag?“ Ohne auf eine Erwiderung zu warten, beantwortete sie sich die Frage selbst. „Klar hast du. Also, von wem? Deinem Kommissarfreund?“

„Kein Kommentar. Nun?“

„Nee, ich kenne niemanden direkt. Nur allgemeines Gerede. Aber die Polizei hat ein paar Leute festgenommen. Vielleicht hilft dir das weiter?“

Charlotte schüttelte den Kopf. „Alles, was die Kleindealer wissen, wird die Polizei schon aus ihnen rausgeholt und es ausgewertet haben. Da kam jedenfalls nichts raus.“

„Nun“, fuhr Julia nach kurzem Nachdenken fort, „es gibt da ganz vage Gerüchte, aber das ist alles andere als sicher. Aber man munkelt, dass es auf Partys in manchen Verbindungshäusern demnächst eine Sensation geben soll.“

„Hm, das ist sehr unspezifisch. Weißt du wo?“

Julia verneinte und schob den Teller von sich. „Eine der älteren Verbindungen. Das ist alles, was ich bis jetzt weiß.“

Charlotte horchte auf. „Bis jetzt? Bist du an einer Story dran?“

Julia grinste verschmitzt. „Ich zitiere: ‚Kein Kommentar.‘“

Lebhaft unterhielten sie sich noch eine weitere halbe Stunde, dann verabredeten sie sich für das Wochenende zum Joggen, bevor Julia zu ihrer nächsten Vorlesung musste.

Charlotte fuhr nach Hause und schaute in den Briefkasten. Dean Theobald hatte Wort gehalten und alle Unterlagen geschickt, die sie zum Start des Auftrags benötigte. So machte sie sich sofort an die Vorbereitungen.

Gesamte Geschichte:
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