

Bei der Verfolgung einiger Verbrecher werden Charlotte, Phil und Julia überfallen. Charlotte muss, um ihre Freunde aus der Gefahr zu befreien, ihre Gabe auf eine Art einsetzen, die ihr zuwider ist. Doch kurz vor der Rettung kommt es zu einer schrecklichen Wendung.
| Gesamtlänge: 13.000 Wörter von marcm200 |
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Erneut blieb Charlotte vor einem Schaufenster stehen. Doch für die Auslage hatte sie keinen Blick übrig. Stattdessen überprüfte sie, was die Gestalt mit der blauen Baseballkappe auf der anderen Straßenseite nun tat.
Und wie schon die beiden Male zuvor blieb auch diese stehen und drehte sich so, dass sie Charlotte den Rücken zuwandte. Doch diesmal nicht schnell genug. Die Entfernung war geschmolzen, und so konnte Charlotte einen flüchtigen Blick auf das Gesicht ihres Verfolgers erhaschen. Es reichte noch nicht für ein sicheres Erkennen, aber ein bestimmter Verdacht keimte in Charlotte auf.
Sie drehte sich nach links, ging mit beschleunigtem Schritt weiter bis zur nächsten Einmündung und bog nach rechts ab. Die Rückseite eines langen Gebäudes säumte diese Seite der Nebenstraße und bot keine Möglichkeit für sie, sich zu verstecken. Aber auf der anderen Seite parkten ein paar Autos.
In diesem Augenblick hatte der Verfolger sie aus der Sicht verloren. Charlotte sprintete schräg über die schmale Straße und hastete in einen Hauseingang hinein. Tief drückte sie sich in die Dunkelheit. Man würde sie nicht sehen können, sie selbst aber hatte freien Blick.
Da kam der Verfolger. Auch die Gestalt bog ab, blieb dann für einen kurzen Moment stehen und blickte sich um. Etwas zögerlich setzte sie danach ihren Weg fort, und Charlotte huschte in ihrem Rücken über die Straße.
Lautlos pirschte sie sich näher. Aus drei Metern Entfernung sagte sie betont überrascht: „Julia! Was machst du denn hier?“
Die Gestalt fror für eine Sekunde in ihren Bewegungen ein und drehte sich dann um. Verlegen lächelte sie Charlotte an.
„Also… nun…“, stotterte die angehende Reporterin und zog die Baseballkappe ab. Nervös ließ sie deren Schirm durch die Finger gleiten.
„Gib dir keine Mühe, eine Ausrede zu erfinden“, sagte Charlotte. „Du bist mir gefolgt. Warum?“
„Ich hab‘ dich am Telefon belauscht. Völlig unbeabsichtigt. Du hast eine Verabredung mit Phil, und als ich in den Flur kam, hast du schnell aufgelegt. Klar, dass da mein Reportersinn anspringt. Also bin ich dir nach. – Wer verfolgt Phil, und warum?“
Charlotte schnaubte wütend. „Das war eine riesige Dummheit von dir! Was, wenn ich dich nicht aus der Ferne erkannt, sondern dir eine Falle gestellt und überwältigt hätte? Vielleicht wärst du dabei verletzt worden!“
Julia lächelte peinlich berührt. Daran hatte sie offensichtlich nicht gedacht.
„Und zähle mal zwei und zwei zusammen! Du tauchst bei mir auf und erzählst eine Geschichte über das College. Und kurz darauf bemerkt Phil, dass er beschattet wird. Und nun das hier! Da könnte man einen Zusammenhang vermuten.“
„Sorry!“, murmelte Julia kleinlaut. „Ich bin wirklich nur wegen meines Essays gekommen.“
Charlottes Wut verrauchte langsam. „Ich weiß. Ich habe dich nach Phils Anruf überprüfen lassen. Deine Geschichte stimmt. – Und nun komm. Phil wartet. Es ist mir lieber, du bist direkt dabei, als dass du dich durch Heimlichkeit in Gefahr bringst.“
Die beiden Frauen gingen zurück zur Hauptstraße, und zwei Blocks später hatten sie den Diner erreicht, in dem Charlotte mit dem Kommissar verabredet war.
Phil saß bereits in einer der Essbuchten. Er blickte verwundert, als er sah, dass Charlotte nicht alleine kam.
„Das ist Julia, ich habe dir ja von ihr erzählt. Sie ist mir gefolgt“, stellte Charlotte die junge Frau vor und fasste kurz das Erlebte zusammen.
Es war Samstagvormittag, das Restaurant gut besucht. Geschirr klapperte, und der Geräuschpegel war aufgrund der vielen Gespräche recht hoch. Die Musik aus den Deckenlautsprechern war kaum zu hören.
Die drei bestellten Toast und Kaffee zum Frühstück. Julia setzte sich neben Charlotte, stellte ihre Kameratasche in die Ecke der Sitzbank und hatte ihre Verlegenheit schon wieder völlig überwunden.
„Also, Phil, wer verfolgt dich und seit wann?“, kam Charlotte auf den Grund des Treffens zu sprechen.
Die Bestellung kam, und Phil wartete einen Moment, bevor er antwortete: „Mir ist aufgefallen, dass seit drei Tagen, also seit Donnerstag, immer wieder derselbe Mann in meiner Umgebung auftaucht.“
„Woran hast du das erkannt?“, fragte Julia und nippte am Kaffee.
„Kleidung. Der gleiche Mantel, der gleiche Hut. Und dann die Statur.“
„Aber ein Verfolger würde die Kleidung doch wechseln, wenn er nicht auffallen will, oder?“, wunderte sich Julia.
„Ja, schon“, antwortete Phil. „Vielleicht sehe ich Gespenster. Es könnte auch schlicht jemand sein, der zufällig denselben Weg hat.“
„Wo?“, fragte Charlotte.
„Lebensmittelgeschäft, Subway-Station, Joggen im Park.“
Julia legte die Hand auf ihre Kamera. „Ist er jetzt hier im Diner? Ich könnte alle Gäste hier photographieren, und dann…“
Phil lehnte ab. „Zu auffällig. Falls es den Verfolger wirklich gibt, will ich ihn nicht aufscheuchen. Er soll weiter glauben, unerkannt zu sein. Ich will an seine Hintermänner rankommen.“
Julia biss in ihren Toast. „Warum nimmst du ihn nicht einfach fest und verhörst ihn, wenn er dir das nächste Mal auffällt?“
„Dafür fehlt mir die rechtliche Grundlage. Es ist ja nicht verboten, sich am selben Ort wie ich aufzuhalten. Und durch eine reine Personenkontrolle würde ich ihn ja auch warnen.“
Er blickte zu Charlotte. „Hilfst du mir?“
„Klar, keine Frage.“ Sie überlegte ein paar Sekunden. Es gab eigentlich nur eine Sache, die sie tun konnte. „Geh nach Hause. Ich werde schnell ein paar Kollegen organisieren. Wir überwachen dich unauffällig im Wechsel. Ich sage dir Bescheid, wenn alles steht. Und dann wirst du ein wenig Vancouver erkunden.“
„Heh, ich kann euch auch helfen!“, platzte Julia dazwischen. Jagdfieber überzog ihr Gesicht. „Mich kennt hier doch niemand. Ich bleibe unauffällig in Charlottes Nähe, die in deiner…“ Sie blickte Phil an. „…Nähe bleibt.“ Wieder klopfte sie auf ihre Phototasche.
Die drei beendeten das Frühstück und verließen den Diner.
„Heh, seht mal! Was ist denn da drüben los?“, rief Julia und deutete auf die andere Straßenseite.
Auch Phil blickte über die Straße. Gerade kamen nacheinander zwei dunkel gekleidete Gestalten aus einem Juweliergeschäft gestürmt. Ohne Rücksicht auf Passanten rannten sie zu einem in der Nähe geparkten, schwarzen Wagen.
„Die tragen Waffen“, rief Charlotte, als sie das schwache Blitzen in der Hand der vorderen Gestalt sah.
Phil rannte bereits zu seinem nicht weit entfernt am Straßenrand geparkten Auto. Die beiden Frauen folgten ihm und sprangen ebenso wie der Kommissar hinein. Phil preschte los, dem vermutlichen Fluchtfahrzeug zweier Juwelenräuber hinterher. Charlotte nahm das Sprechfunkgerät aus der Halterung an der Mittelkonsole.
„HQ von RCMP Wagen V19: Kommissar Messier verfolgt zwei mutmaßliche Juwelenräuber auf der Abbott Street Richtung Norden. Er bittet um Unterstützung. Wenn möglich Straßensperren.“
Lautstark quietschten die Reifen, als Phil in die Kurve einlenkte. Er bremste minimal und nutzte die gesamte Breite der Straße. Für eine halbe Sekunde verschwanden die Rücklichter des verfolgten Wagens hinter der Biegung. Phil gab Vollgas und schaltete einen Gang höher. Das Jaulen des Motors wurde leiser.
Julia, die im Fond saß, hielt sich am Sitz des Beifahrers fest. Sie hatte sich ein wenig zur Seite geneigt, um einen guten Blick durch die Windschutzscheibe nach vorne zu haben. Ihr Gesicht war verkniffen, der Körper angespannt, doch ihre Augen sprühten lebhaft. Ihr schien die Verfolgung zu gefallen.
Die Straßen hier am nördlichen Stadtrand von Vancouver waren an diesem Vormittag recht unbelebt. Nur vereinzelt kamen ihnen Fahrzeuge entgegen. Die Sirene auf Phils Dienstfahrzeug war weithin zu hören. Rechtzeitig bremsten die anderen Verkehrsteilnehmer ab und fuhren zur Seite. Der schwarze Wagen, dem sie nachjagten, raste auf eine Kreuzung zu, deren Ampel gerade auf Rot sprang.
Phil zog nach links und überholte einen LKW. Die Lippen fest zusammengepresst, die Augen konzentriert auf die Fahrbahn gerichtet, holte er im Schneckentempo Meter um Meter auf.
Unvermittelt bog der Verfolgte ab.
Charlotte nahm sofort das Funkgerät und meldete an die Einsatzzentrale: „Neue Richtung ist Süd-Ost auf dem Laurier Boulevard, Ecke Abbott Street.“
Auch Phil bog nach rechts ab – und stand im nächsten Moment auf der Bremse. Charlotte und Julia wurden nach vorne geschleudert.
„Autsch!“, schrie die junge Reporterin, als die Wucht des Bremsmanövers auf ihre immer noch an dem Beifahrersitz gekrallten Arme überschlug. Rasch ließ sie die Hände fallen. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt.
„Alles okay bei dir?“, fragte Charlotte, ohne sich umzudrehen.
Julias „Geht schon“ kam sehr gepresst zurück. Sie rieb sich die Handgelenke und lehnte sich an die Rückbank.
Phil warf das Lenkrad ruckartig nach links, dann wieder nach rechts, und konnte so dem rückwärts aus einer Einfahrt herausrollenden Van gerade noch ausweichen. „Hat der Tomaten auf den Ohren?“, fluchte er aufgebracht.
Doch dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder nach vorne. Der Verfolgte hatte einige Meter Abstand zugelegt. Verbissen trieb Phil den Motor zu höchster Leistung. Und der schnurgerade Boulevard kam ihm dabei entgegen. Auf über einer Meile gab es nur sehr wenige Abzweigungen, die sämtlich auch noch in schmale Nebenstraßen führten. Sie waren ungeeignet für eine Flucht im Auto.
Charlotte entspannte sich für eine Sekunde und blickte in den Rückspiegel. „Phil, ich glaube, wir werden selbst verfolgt.“
Sofort drehte Julia den Kopf und schaute durch das Rückfenster. „Der grüne Wagen? Ja, so einen habe ich auch vor dem Juweliergeschäft gesehen. Meinst du, der gehört zu den Räubern?“
„Schon möglich“, erwiderte Charlotte. „Vielleicht sind es aber auch nur Schaulustige, die hier einem Thrill nachjagen. Kannst du das Nummernschild erkennen?“
Julia öffnete ihre Phototasche und setzte das Teleobjektiv auf die Kamera. Sie drückte mehrmals auf den Auslöser. „Nein, der Wagen ist zu weit weg. Aber ich habe sicherheitshalber mal Photos gemacht.“
„Behalte ihn bitte im Auge“, bat Charlotte.
Plötzlich leuchteten die Bremslichter am Ganovenauto für mehrere Sekunden am Stück auf. Phil konnte die Entfernung halbieren. Charlotte sah nun nicht nur die Form der Karosserie und das Ende des Auspuffs deutlich, sondern auch einen Aufkleber am Heck. Eine grüne, wellenförmige Linie umrandete ein weißes Feld. In Schwarz war darin ein stilisierter Bär abgebildet.
Charlotte warf Phil einen fragenden Blick zu.
Dieser nickte. „Es ist vertretbar. Wir müssen den Kerl stoppen, bevor er einen Unfall baut und womöglich andere verletzt. Und hier ist nicht viel los.“
Charlotte zog Zeichenblock und Stift aus der Blazertasche.
Jetzt sollte es für eine Kopplung reichen, dachte sie.
In höchster Eile brachte sie den Aufkleber, den Umriss des Wagens, den Auspuff und die Spalte zwischen Kofferraumdeckel und Karosserie zu Papier. Nach knapp einer Minute war sie mit dem dreidimensionalen Bild fertig, signierte es, zischte Phil ein „Vorsicht!“ zu und schlug auf den gezeichneten Auspuff.
Fast in derselben Sekunde bog sich der reale Gegenpart nach außen und berührte den Hinterreifen. Das nach dieser Raserei mehrere Hundert Grad heiße Metall versengte das Gummi des Reifens in Sekundenbruchteilen. Dieser platzte, und Gummifetzen wurden zur Seite geschleudert. Das Auto sank auf die Felge. Die Vibrationen pflanzten sich zum Auspuff fort, der von der Karosserie abgerissen wurde und auf der Fahrbahn landete. Wild sprang er hin und her. Doch Phil war gewarnt und konnte rechtzeitig ausweichen.
Der schwarze Wagen schlingerte und zog auf die im Moment verwaiste Gegenfahrbahn, wo der Ganove ihn schließlich abfangen konnte. Aber an Höchstgeschwindigkeit war nicht mehr zu denken.
Phil schloss rasch auf. Auch er verlangsamte nun.
Julia, welche die ganze Zeit das grüne Fahrzeug hinter ihnen beobachtet hatte, wandte kurz den Kopf. „Was ist passiert?“
„Reifenschaden“, sagte Phil und grinste seine Beifahrerin an. Auch Charlotte lachte lautlos und riss rasch die Ecke mit ihrer Unterschrift von der Zeichnung ab.
Phil zog nach links in die Mitte der breiten Fahrbahn und setzte sich neben die Flüchtenden. Mit Handzeichen bedeutete er ihnen anzuhalten. Doch die Ganoven dachten nicht daran. Stattdessen wurde das Fenster auf der Fahrerseite heruntergekurbelt.
Phil reagierte sofort. „Festhalten!“, rief er und stieg in die Bremsen. Und das keine Sekunde zu früh. Kurz darauf ertönte ein Schuss.
Julia wurde bleich. „Haben die gerade…“
„Duck dich!“, befahl Charlotte. Im Rückspiegel sah sie, wie die junge Frau sich auf die Rückbank legte.
Phil wollte gerade wieder nach rechts einscheren, um hinter dem Wagen der Verbrecher zu bleiben und auf die kommende Straßensperre zu vertrauen, als plötzlich ein zweiter Schuss krachte.
„Jemand verletzt?“, rief er. Seine beiden Begleiterinnen verneinten sofort.
Dann sah er, wie das Heck des flüchtenden Autos sich auch auf der anderen Seite absenkte. Auch der zweite Hinterreifen war offenbar geplatzt.
Der grüne Wagen, der sie verfolgt hatte, setzte sich nun dicht hinter das Auto der Juwelenräuber. Charlotte blickte nach rechts, doch die Scheiben des Fahrzeugs waren getönt.
Erneut bellte ein Schuss auf, und eine Ecke der rückwärtigen Scheibe der schwarzen Limousine splitterte.
„Wer ist das?“, fragte Charlotte. „Die schießen den Räuberwagen zu Schrott.“
Das schwarze Auto schleppte sich nur noch scheppernd über die Straße. Nach ein paar Dutzend Metern sahen die Ganoven endlich ein, dass sie verloren hatten. Sie hielten an.
Auch Phil stoppte, beließ den Wagen im Leerlauf und sprang heraus, während Charlotte die Handbremse zog. Sie griff nach dem Sprechfunkgerät und forderte in Phils Namen weitere Verstärkung zur Festnahme an.
Der Kommissar riss seine Dienstwaffe aus dem Schulterhalfter. Die Arme auf das Dach gelegt, den Wagen als Feuerschutz zwischen sich und den Gangstern, visierte er die Räuber an und rief laut: „Bundespolizei. Öffnen Sie die Tür auf der Fahrerseite ein wenig, aber nur diese. Lassen Sie die Waffen herausfallen. Dann steigen Sie auf dieser Seite langsam und mit erhobenen Händen aus. Bei Zuwiderhandlung werde ich von der Schusswaffe Gebrauch machen.“
Nur Sekunden später fielen zwei Pistolen polternd auf den Asphalt. Dann stieg der Fahrer aus. Er hatte die Arme über den Kopf gestreckt und blieb neben der Kühlerhaube stehen. Sein Komplize krabbelte von der Beifahrerseite herüber. Phil gab Charlotte seine Waffe und ging zu den beiden Männern, stellte aber sicher, dass die Freundin immer freies Schussfeld hatte.
Er legte den Räubern Handschellen an. „Fordere bitte Unterstützung an“, bat er Charlotte.
„Schon geschehen.“
Phil ging rückwärts zu seinem Auto und nahm, ohne den Blick von den Festgenommenen zu lösen, seine Dienstwaffe wieder entgegen.
Aus dem grünen Auto sprangen nun zwei schwarz gekleidete, hochgewachsene Männer heraus. Ihre Gesichter wirkten hart, als sie näherkamen. „Können wir helfen?“, fragte einer.
Phil blickte zur Seite. „Haben Sie Reifen und Scheibe zerschossen?“
Der Mann nickte. „Letzteres war nur eine Warnung an die Insassen. – Was sollen wir weiter tun? Verfügen Sie über uns.“
Die beiden kamen näher und standen schließlich mit auf den Rücken verschränkten Händen nur wenige Meter neben Phil. Auch sie hatten den Blick auf die Schmuckdiebe geheftet.
Charlotte beäugte die hilfsbereiten Männer misstrauisch.
„Die Situation ist unter Kontrolle“, erwiderte Phil. „Zeigen Sie mir bitte Ihre Ausweise. Und die Berechtigung, Schusswaffen bei sich tragen zu dürfen.“
Der Mann, der Phil angesprochen hatte, lächelte leicht, zog dann aber, ebenso wie sein Begleiter, die Hände hinter dem Rücken hervor. Revolverartige Waffen glänzten. Es zischte leise, und je eine Pfeilspitze bohrte sich in Charlottes und in Phils Oberarm. Dann zischte es noch zweimal in Richtung der Schmuckräuber.
Der Kommissar riss seine Waffe hoch, doch die Angreifer sprangen auseinander. Phils Arm zitterte, und seine Sicht begann sich zu trüben.
„Betäubungs…“, konnte Charlotte noch mit ersterbender Stimme murmeln. Sie versuchte, sich am Wagendach festzuklammern, brach aber nur Sekunden später kraftlos zusammen und rutschte zu Boden.
Phil erging es nicht anders, und die beiden Unbekannten schleiften ihn sofort zu ihrem grünen Wagen.
Julia, die sich erst jetzt getraute, den Kopf zu heben, da sie keine Entwarnung von Charlotte bekommen hatte, musste einen Aufschrei unterdrücken, als sie sah, wie ihre neuen Freunde zusammenbrachen. Angstschweiß brach ihr aus, und das Herz schlug wie wild. Sie duckte sich rasch wieder und kroch zur anderen Tür. Leise öffnete sie diese und ließ sich auf den Asphalt gleiten. Sie schob ihren Kopf am Heck vorbei und suchte den grünen Wagen und die beiden neuen Verbrecher. Doch sie sah nur einen.
Aber bevor sie sich Gedanken machen konnte, wo der andere hingegangen war, legte sich eine Hand auf ihre Schulter und riss sie herum. Julia schrie auf. Wild boxte sie um sich und versuchte aufzustehen. Es gelang ihr, und sie begann, den Angreifer zu treten. Sie traf ihn mehrmals, doch mit ihren weichen Turnschuhen hatte sie keine Chance, ernsthaft Gegenwehr zu leisten.
Der Kerl riss sie an sich und presste ihr eine Hand auf den Mund. Dann schleifte er die sich weiter wild wehrende 18-Jährige zum grünen Fahrzeug.
„Warum hat uns niemand gesagt, dass sie auch im Wagen ist?“, fragte er verärgert seinen Komplizen.
„Keine Ahnung. Aber immerhin haben wir jetzt beide auf einmal erwischt“, erwiderte der andere, holte einen kleinen Koffer vom Rücksitz und öffnete ihn.
Julia sah mit schreckgeweiteten Augen, dass darin Pfeile lagen. Sie schüttelte den Kopf und kreischte Unverständliches in die Hand, die weiter ihren Mund zuhielt.
Der Mann lud die Betäubungspistole neu und richtete sie aus kurzer Distanz auf Julias Oberarm. Das Mädchen wand den Oberkörper zur Seite, doch ihr Überwältiger hielt sie mit eisenhartem Griff fest.
Nur Sekunden später war auch Julia bewusstlos.
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