Die Halo-Clique 4 – Der fünfte Roman (Text, Jugendkrimi)


Moritz hat neben der Schule einen Aushilfsjob bei einem Antiquar angenommen. Als er Bücher einsortiert, macht er eine sensationelle Entdeckung. Auch seine Freunde sind hellauf begeistert. Doch als Lena etwas Seltsames beobachtet, wird ihr Argwohn geweckt. Auch wenn der Rest der Halo-Clique zuerst noch zögert, sind die Vier bald einem äußerst clever ausgeführten Verbrechen auf der Spur.

Gesamtlänge: 10.400 Wörter
von marcm200

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Leseprobe – der Anfang der Geschichte:

1. Aufregung bei Moritz‘ Job

Die Türglocke klingelte, und der Postbote betrat die Buchhandlung ‚Andresen‘. Er trug zwei Pakete übereinandergestapelt vor sich her und sah kaum, wo er hintrat.

Der quadratische Raum, so lang und breit wie zwei hintereinandergestellte Autos, erhielt durch das große Schaufenster viel Licht. Die Regale an den senfgelb gestrichenen Wänden waren nur teilweise bestückt. Ein grauer Teppich bedeckte den Boden.

„Warten Sie!“, rief Moritz, sprang die kleine Trittleiter herunter und lief zur Tür. Er griff das obere, kleinere Paket und stellte es am Rand des Tresens neben der Kasse ab.

Der Beamte hievte die zweite Sendung, die deutlich schwerer zu sein schien, daneben. „Danke. Bekommt dein Chef die gesamte Ausstattung per Post?“, fragte er keuchend, nahm für einen Moment die blaugelbe Mütze ab und wischte sich über die Stirn.

„Nee“, antwortete Moritz. „Die meisten Bücher sind schon hier. Aber gelegentlich findet Herr Andresen antiquarische Werke bei Haushaltsauflösungen oder auf Flohmärkten. Manches davon kommt dann eben per Post.“

Der Beamte zog das Auftragsbuch aus der inneren Tasche seiner Uniformjacke heraus und klappte es auf. Er blätterte einige Seiten um. „Würdest du mir den Erhalt bitte quittieren?“

Moritz nahm den ihm hingehaltenen Kugelschreiber und unterzeichnete. Der Postbote grüßte und verließ das Geschäft wieder.

Moritz kramte in einer Schublade unter dem Tresen und öffnete mit der Schere das große Paket. Es enthielt ein gutes Dutzend sauber und einzeln in Polsterfolie eingepackte Bücher von Taschenbuch- bis Atlantengröße. Moritz nahm jedes Exemplar in die Hand, vermerkte Autor, Titel, Erscheinungsjahr und eine grobe Qualitätseinstufung auf einer Liste. Wenn er glaubte, durch das Inhaltsverzeichnis oder falls eine kurze Zusammenfassung vorlag, einschätzen zu können, in welche Kategorie das Buch einzusortieren war, notierte er auch dies. Als er fertig war, legte er alles für seinen Chef zur Durchsicht beiseite und wandte sich dem kleineren Paket zu.

Doch als er das erste Buch ausgepackt hatte, wunderte er sich. „Kein Titel?“

Es war daumendick, hatte einen kostbar aussehenden, schwarzen Ledereinband mit je einer Schnur auf Vorder- und Rückseite zum Zubinden und wies die Größe zweier Postkarten auf. Moritz blätterte es vorsichtig durch, doch sämtliche Seiten waren unbeschrieben. Auch ein Erscheinungsjahr fehlte. Doch das, fand Moritz, war bei leeren Seiten auch irgendwie folgerichtig. Neugierig nahm er sich die anderen Bücher des Pakets vor. Sie waren identisch zu dem ersten: unbeschrieben und mit Schnüren versehen.

Da öffnete sich die Tür zum Geschäft, und der Ladeninhaber kam von seinen Besorgungen zurück.

„Hallo, Herr Andresen“, grüßte Moritz seinen Chef.

Der Mittvierziger mit dem leicht ergrauten, kurzgeschnittenen Haar lächelte freundlich. „Hallo, Moritz. Ich sehe, du kommst gut voran. Dann sollten wir den Eröffnungstermin nächste Woche einhalten können.“

Moritz nickte stolz. „Bestimmt. Ungefähr die Hälfte der Bücher sind bereits gelistet und charakterisiert, die Regale entsprechend bestückt. Gerade kamen noch ein paar per Post. Nur…“ Er hob eins der leeren Bücher hoch. „Wo soll ich dies hinräumen?“

Andresen trat zum Kassenbereich. „Ach, das. Ich dachte, die Tagebücher kämen erst morgen, wenn ich selbst im Laden bin.“

„Tagebücher?“, wunderte sich Moritz. „Da steht doch überhaupt nichts drin.“

Andresens Lächeln wurde ein wenig verbissen, als er ausführte: „Nun, die sind für mich. Erzähle es bitte nicht weiter, aber ich schreibe gerne abends meine Gedanken auf.“

„Ah, ich verstehe. Und weil sie Antiquar sind, möchten Sie dafür keine modernen Hefte oder Tagebücher verwenden. Diese hier sind alt, oder?“

Andresen legte das Buch zurück in die Kiste. „Das stimmt. Ich habe sie kürzlich auf einem Dachboden gefunden, den ich entrümpeln sollte.“

„Weiß man, aus welchem Jahr sie stammen?“, fragte Moritz neugierig.

„Aus den 1920ern.“

„Wow!“, entfuhr es dem Jungen, der sofort an seine Freundin dachte. „Könnte ich Ihnen vielleicht eins dieser leeren Tagebücher abkaufen?“, fragte er spontan.

Andresen zögerte, nickte dann aber. „Nimm dir ruhig eins. Die 10 Mark, die es wert ist, verrechne ich mit deinem Lohn, wenn es dir recht ist?“

„Klasse!“, freute sich Moritz und nahm das ausgepackte Buch wieder an sich.

Das ist ein tolles Geschenk für Lena, dachte er.

Andresen ging Moritz‘ Liste durch und änderte die ein oder andere Qualitätseinstufung. Er blätterte in verschiedenen Katalogen und schrieb danach Preise hinter die einzelnen Bücher. Dann verschwand er mit dem Tagebücherpaket in seinem Büro im hinteren Teil des Erdgeschosses.

Moritz widmete sich wieder seiner Arbeit, und er kam gut voran. Die thematisch sortierten Regale füllten sich weiter.

***

Wieder läutete die Türglocke, und eine helle Mädchenstimme erklang. „Hi, Moritz!“, rief Lena und kam in den Laden. „Ganz alleine heute?“

Moritz, der hinter dem Tresen gesessen und einen Stapel alter Comics katalogisiert hatte, blickte auf. Als er seine Freundin sah, überzog ein Lächeln sein Gesicht. Er sprang auf und schloss sie kurz in seine Arme. „Hi!“

Lena lehnte für einen Moment ihren Kopf an seine Schulter.

„Herr Andresen ist wieder unterwegs. Er findet gerade eine Menge neuer Dinge“, erklärte Moritz.

Lena blickte sich im Verkaufsraum um. „Du hast ja schon eine ganze Menge hier bestückt. Was willst du eigentlich die nächsten zwei Wochen dann noch tun? Fällt soviel an, wenn das Geschäft erst einmal eröffnet ist?“

Moritz zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Aber wenn Andresen mir drei Wochen lang die vier Stunden täglich bezahlt, soll es mir recht sein. Und wenn nichts zu tun ist, lese ich eben Comics während der Arbeitszeit.“

Er beugte sich über die Holzplatte des Verkaufstresens und zog das zurückgelegte Tagebuch hervor. „Lena, ich habe ein kleines Geschenk für dich.“

Die Augen des Mädchens begannen zu leuchten, als sie das alte Buch sah und es aufschlug. „Wow! Da traut man sich ja gar nicht, etwas reinzuschreiben.“ Sie küsste Moritz auf die Wange. „Danke. – Brauchst du noch lange?“

„Nur noch diesen Stapel hier. Vielleicht zehn Minuten. Wenn du willst, schau dich noch ein wenig um. Herrn Andresen ist es ja recht.“

Lena trat zu dem Regal, welches dem Thema ‚mittelalterliche Schriften‘ gewidmet war. Vorsichtig zog sie das ein oder andere Werk hervor, blätterte hindurch oder schaute sich Zeichnungen von Rüstungen, Lanzen oder Minnesängern an. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie zwei Autos vor dem Laden hielten. Eigentlich wollte sie sich nicht ablenken lassen, denn die Zeichnungen in den Büchern gefielen ihr, doch dann bemerkte sie, dass auf einem der Autos Lichter rotierten.

Ein Polizeifahrzeug!

Zwei uniformierte Beamte stiegen aus. Zusammen mit den beiden zivil gekleideten Männern aus dem dunkelblauen Wagen, der direkt vor dem Schaufenster gehalten hatte, liefen sie zum Eingang.

„Moritz, ich glaube, da…“

Sie beendete ihren Satz nicht, denn die Tür öffnete sich in diesem Moment.

Die beiden Zivilgekleideten traten ein. „Ich bin Kriminalhauptkommissar Haller, dies ist mein Kollege Oberkommissar Böttcher. Wo ist Herr Andresen?“, fragte ein dürrer Mann mit beigefarbenem Jackett. Hinter ihm kamen nun auch die Uniformierten herein.

Moritz war aufgesprungen. „Äh, der Chef ist unterwegs. Er wollte…“ Er schaute auf seine Armbanduhr. „…in knapp einer halben Stunde, gegen 18:30 Uhr wieder zurück sein. – Kann ich Ihnen helfen?“

„Wir haben einen Haussuchungsbeschluss“, informierte der Hauptkommissar, ging aber nicht näher auf die ihm gestellte Frage ein. „Du arbeitest hier?“

Moritz nickte. „Aushilfsweise am Nachmittag.“

„Gut, dann zeige meinen Kollegen bitte alle Bereiche, welche zum Geschäft gehören. Inklusive Keller-, Lager- und sonstiger Räume.“

Er wandte sich an Lena. „Arbeitest du auch hier?“

Die 14-jährige schüttelte ein wenig eingeschüchtert den Kopf.

„Dann verlasse bitte die Räumlichkeiten.“

Nach einem kurzen Blick zu Moritz, der mit einem leicht gequälten Gesichtsausdruck entschuldigend die Schultern hob, hatte er doch auch keine Ahnung, worum es hier ging, lief Lena hinaus und über den kleinen Parkplatz, den sich Andresen mit drei weiteren Geschäften – einer Bäckerei, einem Waschsalon sowie einer Fleischerei – teilte. Moritz sah, wie seine Freundin sich auf die niedrige Steinmauer hockte und aufgeregt herüber schaute.

Dann zeigte er den Polizisten, was sie sehen wollten: im Erdgeschoss den Verkaufsraum, Andresens Büro, das allerdings abgeschlossen war, ein kleines Zimmer, das als provisorisches Zwischenlager und Pausenraum diente, sowie das Hauptlager im Keller.

Als er mit Böttcher die Treppe nach unten stieg, fragte Moritz: „Worum geht es denn eigentlich?“

Der Oberkommissar blickte ihn streng an. „Das werden wir Herrn Andresen mitteilen, wenn er zurück ist.“

***

Etwa vierzig Minuten später kam Moritz aus der Buchhandlung gerannt.

Lena sprang vom Mäuerchen auf. „Was war?“, fragte sie ganz aufgeregt und lief ihm entgegen.

„Du, der Andresen soll ein super teures, altes Buch, von dem er wusste, dass es gestohlen war, angekauft haben“, erklärte Moritz. „Die Polizei hat wohl einen anonymen Tipp bekommen, soweit ich das belauschen konnte. Die durchsuchen jetzt alles hier und auch oben in Andresens Wohnung.“

„Hehlerei? Das ist ja ein starkes Stück“, erwiderte Lena. Und jetzt? Ist dein Job nun beendet? Ich meine, bist du entlassen und das Geschäft geschlossen?“

Moritz schüttelte den Kopf. „Nee, Andresen meinte, das wäre bloß ein Irrtum, der sich schnell aufklären würde. Für mich liefe alles wie gehabt weiter.“

Lena schaute skeptisch. „Und wenn er wirklich ein Hehler ist?“

Moritz winkte ab. „Also unter den Büchern, die ich einsortiert habe, war das gesuchte nicht dabei, zumindest steht der Titel ‚Das Beet der Verheißung‘ nicht auf meinen Listen. Außerdem – ein anonymer Hinweis. Ob so etwas glaubwürdig ist?“

„Stimmt auch wieder. Und es war ja kein Kapitalverbrechen. Man kann ja nicht jedem, der einer Straftat beschuldigt wird, gleich die Freundschaft entziehen.“

Moritz lachte. „Oder hier besser: die Arbeitskraft. – Komm, die anderen warten ja schon eine ganze Weile.“

Gesamte Geschichte:
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