Die Halo-Clique 1 – Testlauf im Gymnasium (Text, Jugendkrimi)


Cover zur Geschichte 'Die Halo-Clique 1 – Testlauf im Gymnasium' : Im Computrraum der Schule. Yvonne sitzt an einem Rechner mit Grünmonitor und gibt ein Programm ein. Christian steht an der Tür zum Gang und hält Wache.


Am Konrad-Zuse-Gymnasium geht ein Unbekannter nachts ein und aus – ohne Spuren zu hinterlassen und ohne etwas zu stehlen. Für Yvonne, Christian, Moritz und Lena, die sich selbst die Halo-Clique nennen, ist klar: Das ist kein gewöhnlicher Einbruch. Yvonne hat die zündende Idee, und so kommen die vier Freunde einem seltsamen Verbrechen im Keller der Schule auf die Spur.

Gesamtlänge: 8.000 Wörter
von marcm200

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Leseprobe – der Anfang der Geschichte:

1. Der Einbruch

Es läutete zum Beginn des Unterrichts. Das chaotische Gewusel hunderter Kinder und Jugendlicher auf dem Schulhof des Konrad-Zuse-Gymnasiums nahm nach und nach eine geordnete Form an. Die Mädchen und Jungen strömten mit mehr oder weniger Elan dem Gebäude zu.

Auch Yvonne und Christian setzten sich Hand in Hand langsam in Bewegung und stiegen die Haupttreppe in den ersten Stock hoch – wie jeden Morgen begleitet vom Stoßen und Schieben der jüngeren Schüler und dem obligatorischen Ausreißer, wenn jemand gegen die Hauptrichtung nach unten wollte.

Plötzlich vernahmen sie eine Stimme. „Habt ihr es schon gehört?“, rief der fünfzehnjährige Moritz, der mit seinen zerzausten Haaren und dem schlabbrigen Pulli, der drei Nummern zu groß war, immer aussah, als wäre er gerade erst aufgestanden. Hinter ihm kämpfte sich außer Atem seine Freundin Lena nach oben.

Der Strom war nun im ersten Stock angekommen, und die vier von der Halo-Clique traten aus dem Einzugsbereich der Treppe in ruhigere Gefilde. Gleich würde der Unterricht beginnen, aber ein paar Minuten hatten sie noch Zeit.

Yvonne, die ein paar Monate älter war als Moritz, schaute genervt. Sie hasste sinnlose Fragen, auf die es keine korrekte Antwort geben konnte. Sarkastisch antwortete sie: „Gehört? Ja, ich habe schon viel gehört. Gestern mehr als heute. Bin ja erst seit zwei Stunden wach.“

Doch Moritz ließ sich nicht beirren. Er kannte die Freundin seit langem, und es machte ihm Spaß, sie mit ihrer ‚Macke‘, wie er es nannte, aufzuziehen. „Ah, Miss Logik, sind wir heute mit dem falschen Fuß aufgestanden?“

Doch bevor er einen weiteren lockeren Spruch vom Stapel lassen konnte, bremste ihn Lena. Sie war mit vierzehn Jahren die Jüngste der Clique. Und seit sie die sechste Klasse übersprungen hatte, war sie in fast allen Gruppen die Jüngste. Manchmal schien sie das zu belasten.

„Gestern Nacht ist in der Schule eingebrochen worden“, erklärte sie mit ihrer ruhigen, leisen Stimme, die zu der zurückhaltenden Schülerin passte.

Moritz, ihr Freund, war das genaue Gegenteil. Laut polternd sagte er: „Der Hausmeister meinte zum Löhrs, er habe die Hintertür offen vorgefunden heute Morgen. Und ein paar Spuren im Gang.“

„Wurde was gestohlen?“, wollte Christian, der vierte im Bunde wissen. Der sportliche, fünfzehnjährige Junge blickte interessiert, denn er witterte einen neuen Fall.

Lena zuckte mit den Schultern. „Davon war nicht die Rede. Moritz und ich sind dann schnell rein, als es läutete.“

Yvonne löste die Hand aus der ihres Freundes und strich sich eine Strähne ihres dunkelbraunen Haares aus der Stirn. Rasch richtete sie den Pferdeschwanz, den sie täglich trug.

Da für lange Diskussionen keine Zeit mehr war, entschied Yvonne, wie oft in solchen Situationen. „Wir haben in der übernächsten Stunde Mathematik bei Löhrs. Ich könnte ihn ja mal ausfragen. Christian, du gehst am besten in der Pause ins Sekretariat, vielleicht erfährst du da was. – Und Lena, du verstehst dich doch gut mit dem Hausmeister. Frag ihn mal aus. – Moritz, schau dir mal die Tür an, durch die der angebliche Einbrecher gekommen sein soll. Vielleicht bringt uns das weiter.“

Der Plan war gut und wurde von allen gebilligt. Die vier trennten sich und liefen zu ihren Klassenräumen. Moritz und Yvonne gingen in die naturwissenschaftlich orientierte 10n, der Rest der Halo-Clique in die 10a. In den großen Pausen wollten sie sich an ihrem üblichen Platz am Ausgang des oberen Schulhofes treffen. Aber das bedurfte schon lange keiner besonderen Verabredung mehr.

***

Nach der Mathematikstunde, als die anderen Schüler bereits auf dem Weg in den Pausenhof waren, trat Yvonne zum Lehrerpult, wo Herr Löhrs gerade seine Papiere in einer Aktentasche verstaute.

„Herr Löhrs, könnte ich Sie mal kurz sprechen?“

Der Lehrer nahm seine Tasche unter den Arm und blickte auf. „Natürlich, aber lass uns runtergehen. Ich muss ins Lehrerzimmer.“

Die beiden verließen den Klassenraum.

„Wir, äh, ich habe gehört“, begann Yvonne, „es soll gestern Nacht zu einem Einbruch hier gekommen sein.“

Herr Löhrs hob überrascht die Augenbraue. „Wo hast du das denn wieder her? Das wurde doch noch gar nicht durchgesagt.“

„Nun, das macht hier so die Runde“, blieb das Mädchen vage und dachte daran, dass sie ja schlecht sagen konnte, einer ihrer Freunde habe den Lehrer belauscht.

Dem Mathematiklehrer schien die ausweichende Antwort zu genügen, denn er fuhr fort: „Viel weiß ich auch nicht. Aber es ist ja kein Geheimnis. Also, unser Hausmeister hat heute und auch gestern am frühen Morgen Spuren im Flur des Untergeschosses gefunden. Und heute war auch noch die Tür des Nebeneingangs unverschlossen.“

„Wurde etwas gestohlen?“

„Das ist das komische“, sagte Herr Löhrs und schlug im Erdgeschoss den Weg zum Lehrerzimmer ein. „Herr Müller hat natürlich sofort die teuren Geräte überprüft, Fernseher, Sprachlabor, die Computer, Overheadprojektor – alles noch da.“

Er grinste. „Und auch die Kaffeekasse im Lehrerzimmer.“

Mittlerweile standen Yvonne und der Lehrer vor besagtem Zimmer.

„Du musst mich entschuldigen“, beendete Löhrs das kurze Gespräch. „Aber ich habe noch was zu erledigen.“

Damit verschwand er durch die angrenzende Tür.

Yvonne blieb zurück und rief ihm ein „Ja, danke“ hinterher. Naja, dachte sie, viel erfahren hab ich ja nicht. Und dafür die halbe Pause vergeudet. Um wenigstens noch ein paar Minuten mit ihren Freunden verbringen zu können, lief sie schnell hinaus.

***

Lena hatte erst in der Pause zwischen der fünften und sechsten Stunde Gelegenheit, mit Hausmeister Müller zu sprechen. In den großen Pausen war dieser immer damit beschäftigt, kleinere Snacks und Getränke an die Schülerschaft zu verkaufen. An ein Gespräch, geschweige denn ein ergiebiges, war da nicht zu denken. Und in den anderen kleinen Pausen hatte sie Herrn Müller nicht angetroffen. Aber nun war er mit irgendetwas in seiner kombinierten Büro-Lagerraum-Werkstatt zugange, als Lena zaghaft an das Blatt der offenstehenden Tür klopfte.

„Herr Müller“, sagte das Mädchen, „könnte ich Sie mal rasch etwas fragen?“

Der Hausmeister, der manche der Schüler mit Namen kannte, drehte sich um. „Klar, Lena, komm rein. Was hast du auf dem Herzen?“

„Also“, begann die vierzehnjährige, „ich habe erfahren, es habe einen Einbruch gegeben, und Sie haben ihn entdeckt. Haben Sie vielleicht auch den Täter geschnappt?“

Herr Müller lachte laut auf. „Na, das wäre was gewesen! Aber da war niemand mehr da, als ich heute morgen um kurz nach 6 Uhr früh da war. Weißt du, ich musste noch ein paar Glühlampen austauschen, und das geht natürlich besser, wenn noch keine quirligen Schüler da sind.“

Um das Gespräch fokussiert zu halten, unterbrach Lena den Hausmeister. „Und wie haben Sie erkannt, dass ein Einbruch stattgefunden hat?“

„Ich mache ja abends und morgens immer meine Runde. Ob alle Fenster zu sind, die Türen und so weiter. Tja, und heute morgen, da war die Tür vom Nebeneingang im Untergeschoss nicht verschlossen. Und das vergesse ich nie, das kannst du mir glauben!“

Lena nickte eifrig, um Herrn Müller zu zeigen, dass niemand auch nur den Gedanken gehabt hatte, er hätte vergessen, die Tür abzuschließen – obwohl ihr der Gedanke durchaus gekommen war.

„Tja, und dann die Lehmspuren im Gang. Gestern abend hat’s ja geregnet. Da gab’s doch diesen gewaltigen Schauer. Wann war das noch?“

„Ich glaube, so gegen 9 Uhr am Abend“, antwortete Lena.

„Stimmt! Der Einbrecher muss also später die Tür irgendwie geöffnet haben und hat dann den Dreck im Gang verteilt.“

„War die Tür denn aufgebrochen?“

„Aufgebrochen? Nein, ich habe sie heute morgen ganz normal zugesperrt. Da war nichts kaputt.“

„Und der Dreck, wissen Sie noch, wie weit der den Flur entlang lag?“

Der Hausmeister blickte verwundert. „Du stellst vielleicht Fragen. Das ist ja fast wie in einem Polizeiverhör“, lachte er. „Bis wohin der Dreck lag, das kann ich dir nicht sagen. Ich hab ihn weggekehrt, das war Arbeit genug. Aber …“

Er schien einen Moment nachzudenken. „Hinter der Tür zum Heizungskeller, also weiter den Gang rein, da war mit Sicherheit noch Lehm zu sehen. Daran erinnere ich mich genau. Vielleicht beantwortet das deine Frage.“

In diesem Moment ertönte der Gong zur nächsten Stunde.

„Nun lauf aber, Lena, nicht, dass du Ärger kriegst!“

Lena bedankte sich und lief rasch in ihre Klasse zurück.

***

Die Clique traf sich erst wieder nach der sechsten und am heutigen Tag für alle letzten Stunde in voller Stärke. Gemeinsam fuhren sie mit den Rädern los in Richtung Ostviertel, in dem alle mit ihren Eltern wohnten. Auf dem Weg dahin kamen sie an einem kleinen Park vorbei und hielten an, um zu besprechen, wie es nun weitergehen sollte.

„Ich fasse mal zusammen“, begann Yvonne. „An zwei aufeinanderfolgenden Tagen scheint jemand in unsere Schule durch den Nebeneingang eingebrochen zu sein.“

Sie wandte sich Lena zu. „Gute Idee übrigens, dass du nach den Spuren gefragt hast“, lobte sie die jüngste. Und Lena strahlte.

„Was gibt’s im Heizungskeller“, warf Christian ein, der im Sekretariat nichts neues erfahren hatte, „denn zu stehlen? Lagert da irgendetwas Besonderes? Ist das Öl teuer – so wie manchmal Benzin aus parkenden Autos abgezapft wird?“

„Ich sehe schon die Schlagzeile ‚Heizöldiebstahl in Gymnasium. Schüler müssen frieren’“, frotzelte Moritz und grinste.

„Frieren, klar“, konterte Christian und wies zum wolkenlosen blauen Himmel. „Im Hochsommer. Schau mal nach oben!“

„Jungs“, unterbrach Yvonne das sich anbahnende Gezänk, „fokussiert euch. – Also, weiter im Text. Es wurde nichts gestohlen. Zumindest nichts, was offensichtlich Diebesgut sein kann. Die ganzen elektronischen Geräte sind noch da. Und nachdem der Direktor seine Durchsage gemacht hat, wurden ja auch die Verstecke mit den Klassenkassen überprüft. Alles noch da.“

„Wenn die Buchhaltung stimmt“, warf Moritz ein und grinste wieder. „Vielleicht hat ja einer, der die Klassenkasse verwaltet, was genommen, und täuscht jetzt einen Einbruch vor, damit er einen Schuldigen hat?“

„Zwei“, korrigierte Christian. „Zwei Einbrüche. Ich glaube, damit ist deine Theorie hinfällig. Aber hast du dir wenigstens die Tür angeschaut?“

Moritz nickte und wurde ernst. „Klar, von innen und von außen. Das Schloss ist recht modern. Da braucht man einen Sicherheitsschlüssel. Da geht nichts mit Dietrich.“

„Also hat der mögliche Einbrecher Nachschlüssel?“

„Davon ist auszugehen“, bestätigte Moritz die Überlegung des Freundes.

Sie saßen einen Moment schweigend da und dachten nach. Dann stellte Yvonne die Frage, die alle bewegte: „Sollen wir uns da reinhängen? Was meint ihr?“

Christian antwortete als erster: „Klar, keine Frage. Einbruch in der Schule, das könnte eine spannende Sache werden. Ich schlage vor, wir observieren heute Abend den Nebeneingang. Vielleicht kommt der Täter ein drittes Mal.“

Die anderen der Clique schauten skeptisch.

„Glaubst du das wirklich?“, fragte Lena, die nicht überzeugt war, dass sich hier überhaupt etwas Sinnvolles ermitteln ließ.

Christian zuckte die Schultern. „Wer weiß? Immerhin wurde noch nichts gestohlen, vielleicht sucht der Dieb ja was und braucht Zeit, um die Sache zu finden?“

„Wann geht die Sonne unter, Lena?“, fragte Yvonne.

„Kurz nach 21 Uhr.“

Yvonne stand auf. „Ich denke, wir können davon ausgehen, dass ein Einbrecher erst in der Dunkelheit zuschlägt. Ich würde sagen, wir treffen uns um 20 Uhr 30 bei mir und fahren dann zur Schule.“

„Alle vier?“, wollte Moritz wissen. „Zur Observation genügen doch zwei. Ich schlage dich und Christian vor.“

„Alle“, widersprach die Chefin der Clique. „Vielleicht können wir die Einbrecher überwältigen, dann sind vier von uns besser als zwei. Vielleicht sind es auch mehrere Täter, die sich aufteilen. Dann könnten wir sie einzeln verfolgen. Also, schwing heute Abend deinen Hintern aufs Rad.“

Gesamte Geschichte:
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