

Besonders Lena freut sich auf den Abend mit ihren Freunden in der Sternwarte. Das Highlight ist der Blick auf den Mond – durch ein uraltes Teleskop, das schon Generationen von Astronomen zur Forschung verwendet haben. Doch der Ausflug ist schnell vergessen, als sie ein geheimnisvolles Gespräch belauscht. Der neue Fall bringt die vier Freunde auf die Spur eines Diebes und Erpressers. Doch dann laufen die Ermittlungen gegen eine Wand.
| Gesamtlänge: 9.000 Wörter von marcm200 | ![]() | ![]() |
1. In der Sternwarte
„Geschafft“, seufzte Lena erleichtert und trat aus der Praxis heraus auf die Straße.
Sie hasste Besuche beim Zahnarzt. Und trotz der behandlungslosen Kontrolle hatte sie die ganze Zeit angespannt und verkrampft auf dem Stuhl gesessen. Doch jetzt war zum Glück alles überstanden.
Sie schwang sich auf ihr Fahrrad und radelte Richtung Stadtrand.
Die Clique wollte sich um 19 Uhr an der etwas außerhalb auf einer Erhöhung gelegenen außer Betrieb befindlichen Sternwarte treffen. Eine Ausstellung über Teleskope im Wandel der Zeit lockte, danach im neuen Planetariumskino eine Dokumentation über das Leben Galileo Galileis und das heliozentrische Weltbild, und um Mitternacht dann das Highlight: der Blick durch ein Jahrhunderte altes Linsenteleskop, um die Sterne zu beobachten – oder, wie Lena aktuell vorzog, den Mond. Sie wollte unbedingt herausfinden, um wieviel feiner der Mond aufgelöst werden konnte im Vergleich zu ihrem Hobbyteleskop zu Hause.
Hoffentlich hält das Wetter, dachte sie bei einem Blick nach oben, und es bleibt bei einem sternenklaren Himmel.
Lena blickte auf ihre Armbanduhr. Ihr blieb noch fast eine halbe Stunde Zeit. Trotz langsamer Fahrt kam sie ein paar Minuten später bereits bei der Sternwarte an. Das Mädchen schloss ihr Fahrrad ab und überlegte. Eigentlich hatte sie keine Lust, jetzt noch fast zwanzig Minuten hier sinnlos zu warten.
Also beschloss sie, bereits einen Blick auf das Teleskop zu werfen. Lena ging zur Kasse und kaufte sich eine Schülereintrittskarte.
„Ich würde Sie gerne etwas fragen“, sprach sie die gemütlich aussehende ältere Dame an, die heute Kassendienst verrichtete.
„Dann frag nur, mein Kind.“
„Meine Freunde kommen gegen 7. Kann ich dann kurz nochmal aus der Ausstellung raus, um sie abzuholen?“
Die Kassiererin lächelte und nickte. „Natürlich, Mädchen.“
Lena dankte und ging in die Ausstellungshalle hinein. Die kleineren Teleskope und Informationstafeln ignorierte sie vorerst. Diese konnte sie sich später mit ihren Freunden noch in Ruhe anschauen. Schnell lief sie zur Mitte der großen Halle, in der das Linsenteleskop für die Zeit der Ausstellung stand. Das darüberliegende Fenster zum Ausblick war natürlich noch geschlossen.
Das Mädchen ging langsam einmal um das Teleskop herum und betrachtete es aufmerksam und konzentriert, suchte nach Unterschieden zu ihrem Teleskop. Auf den ersten Blick sah es jedoch einfach nur aus wie eine größere Kopie. Aber die Optik wird bestimmt eine bessere sein, dachte sie.
Plötzlich nahm sie aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Nur ein paar Meter entfernt stand eine Frau, die aufgeregt mit den Armen fuchtelte. Lena erkannte sie sofort. Es handelte sich um Marisa Tüll, die Organisatorin der aktuellen Ausstellung. Der Mann, mit dem sie sprach oder stritt, kam Lena jedoch nicht bekannt vor.
Die beiden unterhielten sich leise, aber angeregt. Lena konnte nur einzelne Worte verstehen, doch die hatten es in sich und elektrisierten die Hobby-Detektivin sofort: Erpressung, 40.000 Mark, Sonntag.
Interessiert ging die 14-jährige näher. Dabei blickte sie nach wie vor fasziniert auf das Teleskop. Sie hoffte, die beiden würden sie ignorieren und einfach nur für eine astronomiebegeisterte Besucherin halten.
Jetzt nahm die Frau eine Hand hoch und hielt ihrem Gegenüber demonstrativ ein Blatt Papier nahe vor das Gesicht. Mit der anderen wies sie auf eine Stelle am unteren Rand.
Geistesgegenwärtig nahm Lena ihre Kamera hoch, die sie die ganze Zeit schon in der Hand hatte, um das Teleskop zu photographieren. Sie fokussierte, hoffentlich unauffällig, das Papier und schoss insgesamt acht Photos. Lena war froh, heute ihre hochauflösende Kamera und nicht die schnelle Polaroid eingesteckt zu haben. Immerhin hatte sie vorgehabt, durch das Linsenteleskop einige Photos des Mondes zu machen. Doch dies hier war nun wichtiger.
Leider stockte nun das Gespräch der beiden, während der Mann das Blatt aufmerksam betrachtete. Er schien zu lesen. Dann gingen beide weiter schweigend ans hintere Ende der Halle und verschwanden durch eine Tür, auf der ‚Privat‘ stand.
Lena zögerte. Die Tür war völlig exponiert, man konnte nicht unbemerkt davor stehen und lauschen, denn ein paar Besucher außer ihr waren immerhin schon in der Ausstellung, und diese konnten sie jederzeit entdecken.
Sie schaute wieder auf ihre Uhr.
Uih, schon kurz nach 7, dachte sie überrascht. Die ganze Szene hatte länger gedauert, als es ihr vorgekommen war. Rasch lief sie zum Eingang, nickte der alten Dame freundlich zu und rannte zu ihrem Fahrrad.
***
Kurz vor 7 am Abend kamen Yvonne, Moritz und Christian an der Sternwarte an. Natürlich auch mit ihren Fahrrädern.
„Da ist Lenas Rad“, sagte Moritz und zeigte auf den Rand des kleinen Parkplatzes.
Die drei fuhren ebenfalls dort hin und stellten ihre Räder ab.
„Doch wo ist Lena?“
Yvonne und Christian blickten sich ebenfalls um, konnten die Freundin aber nirgends entdecken.
„Vielleicht ist sie schon drin?“, meinte Yvonne.
Skeptisch blickte Moritz sie an. „Meinst du? Aber wir hatten verabredet, uns vor der Sternwarte zu treffen.“
Christian, der den Eingang der Kuppelhalle im Auge behalten hatte, rief: „Da kommt sie schon. Ganz rot im Gesicht.“
„Vielleicht ein Resultat des Termins beim Zahnarzt?“, spekulierte Yvonne.
Doch bevor jemand antworten konnte, kam Lena, die jüngste der Halo-Clique, aufgeregt angerannt. Ihr Gesicht war in der Tat auffallend gerötet – teils von der Anstrengung, zum größten Teil aber aufgrund der Aufregung der letzten Minuten.
„Hallo, Lena“, begrüßte Moritz seine Freundin und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Lena drückte kurz seine Hand zur Begrüßung, begann dann aber sofort mit ihrem Bericht. Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus.
„Leute, ich glaube, ich bin einer heißen Sache auf der Spur.“
Dann erzählte sie das wenige, das sie belauscht hatte und schloss: „Moritz, du musst die Photos unbedingt sofort entwickeln.“
„Langsam“, erwiderte der angesprochene und versuchte, Lena sachte an den Schultern zu greifen und von ihrer ruhelosen Wanderung abzubringen. Nach ein paar vergeblichen Versuchen gelang dies dann auch. „Wir wollten uns doch die Ausstellung ansehen. Und du hast dich seit Tagen auf das Teleskop und die Bilder gefreut.“
Lena schüttelte den Kopf. „Ach, das ist doch jetzt egal“, sagte sie mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Das hier ist jetzt viel wichtiger. Die Ausstellung läuft ja noch ein paar Tage. Lasst uns schnell zurückfahren.“
Moritz schaute zu den anderen. Christian und Yvonne zuckten nur mit den Schultern. So versessen auf die Exponate waren sie nicht. Also änderte die Clique ihre Abendpläne. Die vier schwangen sich wieder auf die Räder und fuhren zurück zu Moritz‘ Haus.
„Die sinnloseste Radtour meines Lebens“, murmelte dieser konsterniert.
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