Die Halo-Clique 5 – Durchblick in Bologna (Text, Jugendkrimi)


Cover zur Geschichte 'Die Halo-Clique 5 - Durchblick in Bologna' : Moritz liegt bewusstlos am Boden eines Lagerraums. Im Hintergrund rennt eine dunkle Gestalt mit eine Paket weg.


Die vier Freunde freuen sich riesig auf das internationale Jugend-forscht-Treffen in Italien. Yvonne und Moritz werden dort ihr optisches Laser-Detektorsystem vorstellen. Doch bei einem abendlichen Experiment sind sie plötzlich nicht mehr alleine in der Halle. Eine Gestalt schleicht herum – und greift sie an! Doch was dann gestohlen wird, können die beiden einfach nicht glauben, so wertlos erscheint dies!

Gesamtlänge: 11.300 Wörter
von marcm200

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Die Geschichte wurde inspiriert durch den Fachartikel:

Chen, H., Zheng, B., Shen, L. et al. Nat Commun 4, 2652 (2013), doi.org/10.1038/ncomms3652


Leseprobe – der Anfang der Geschichte:

1. Ankunft in Bologna

Zischend öffneten sich die Bustüren. Nach langer Fahrt konnten die rund 30 Schülerinnen und Schüler endlich dem stickigen und brütend heißen Inneren entfliehen. Sie drängelten und schoben, und schließlich standen alle auf dem betonierten Parkplatz vor der Messehalle in Bologna.

„Das erste Mal, dass ich italienische Luft atme“, verkündete Moritz grinsend und sog besagte Luft tief ein, während er sich den letzten Keks der Rolle in den Mund schob. Eine Sekunde später schüttelte ihn ein Hustenanfall. Christian klopfte dem Freund kameradschaftlich, aber so kraftvoll auf den Rücken, dass es so laut und durchdringend wie die Peitsche eines Dompteurs im Zirkus knallte. Moritz‘ Gesicht lief feuerrot an. Er spuckte Krümel zu Boden, und es dauerte ein paar Augenblicke, bis er sich erholt hatte und ein „Danke!“ krächzte.

Die Sonne brannte heiß vom tiefblauen Himmel herab. Der Duft von Blüten lag in der Luft. Rufe und Gesprächsfetzen schwirrten aus allen Richtungen herüber.

Unsanft wurde Moritz von hinten angerempelt, als sich einer der älteren Schüler an ihm vorbeidrängte. „Mach mal Platz, du Lauch!“, rief der Zwölftklässler barsch, der ein Gymnasium im hohen Norden Deutschlands besuchte, das einige hundert Kilometer von der Heimatstadt der Halo-Clique entfernt war.

Moritz wollte sich schon umdrehen, um eine geharnischte Antwort zu geben, doch seine Freundin Lena zog ihn am Ärmel zur Seite. Sie beachtete den Rüpel nicht weiter, sondern schaute mit leuchtenden Augen auf den Eingang des Gebäudes, in dem sie und die anderen die nächste Woche fast die ganzen Tagesstunden verbringen würden. Lena freute sich total darauf, wenn sie gleichzeitig auch super nervös war. Zwar hatte sie bereits zuvor mit ihren Eltern mehrfach in Italien Urlaub gemacht, und sie konnte sich in dieser Sprache überaus flüssig ausdrücken. Aber was vor ihr lag, war etwas anderes als Urlaubskommunikation.

Dolmetscherin, dachte sie begeistert. Sie konnte es immer noch nicht fassen. Ich bin eine der offiziellen Dolmetscherinnen!

Auch Moritz vergaß den Vorfall rasch. Vernehmlich reckte und streckte er sich. Die Nachtfahrt mit dem Bus von Berlin ausgehend hatte etliche Stunden gedauert. Nicht nur er war verspannt.

„Man behandelt uns nicht adäquat“, dozierte er übertrieben mürrisch, „Immerhin repräsentieren wir unser ganzes Land, die schöne Bundesrepublik Deutschland. Und dann karrt man uns mit so ’nem Ding da“, er deutete nach hinten auf den langen, silbernen Reisebus, „durch halb Europa. Also, Leute, ich meine: Erste-Klasse-Tickets im Flieger, VIP-Bereich am Flughafen und ein Fünf-Sterne-Hotel, das wäre angemessen gewesen. Oder zumindest eine Zugfahrt im Nachtexpress mit so etwas wie Betten.“

„Weißt du, was das kostet?“, fragte Yvonne und rieb sich die restliche Müdigkeit aus den Augen.

Doch bevor Moritz darauf antworten konnte, klatschte Herr Löhrs, der Mathematik- und Informatiklehrer des Konrad-Zuse-Gymnasiums, lautstark in die Hände, um sich Gehör zu verschaffen.

„Alle mal herhören!“, rief er laut und wartete eine halbe Minute, bis die Gespräche unter den Schülern verstummten. Alle Blicke richteten sich auf ihn. „Wir laden jetzt die Experimentkisten aus. Jede Gruppe erhält einen Lageplan der Messehalle, in dem der zugehörige Standplatz eingezeichnet ist. Ihr habt jetzt erst einmal drei Stunden Zeit, alles auszupacken und mit dem Aufbau zu beginnen. Um“, er blickte auf seine Armbanduhr, „15:30 Uhr treffen wir uns wieder hier. Dann bringt uns der Bus in die Jugendherberge, und wir richten uns dort ein. Morgen habt ihr den ganzen Tag, um eure Experimente arbeitsfähig aufzubauen. Und dann, übermorgen, beginnt der große Tag. Oder passender: die große Woche. Also, dann los!“

Frau Strabel, Lehrerin für Deutsch und Biologie an einem Gymnasium an der Nordseeküste, sowie Herr Otto, der im tiefsten Süden Deutschlands Physik und Geschichte unterrichtete, nickten zu den Worten ihres Kollegen, den sie vor ein paar Tagen das erste Mal persönlich getroffen hatten, als die verschiedenen Schülergruppen, die an der europäischen Messe von Jugend-forscht teilnehmen würden, sich nach und nach in Berlin eingefunden hatten. Dreizehn Schulen aus dem ganzen Bundesgebiet hatten die Vorentscheide überstanden.

Yvonne und Moritz waren mehr als stolz, dass sie und ihr Experiment zur Messung von Laserlicht-Signallaufzeiten den erweiterten Landkreis, in welchem ihre Schule lag, repräsentieren durften.

Auch Lena würde einen aktiven Part während der Messe ausüben, gehörte sie doch zu dem vierköpfigen Dolmetscherteam, dessen Mitglieder abwechselnd die Präsentationen der Experimente sowie die Erklärungen der Schülerforscher während der Ausstellung live übersetzen würden – drei Tage in die Landessprache Italienisch, drei Tage ins Englische.

Während um sie herum mit dem Ausladen begonnen wurde, blickte die 14-jährige konzentriert auf ihre Zettelsammlung, die sie in den letzten Tagen wiederholt umsortiert, neu geschrieben und ergänzt hatte, und ging murmelnd die Fachvokabeln durch. Die Spalte mit der Überschrift ‚Portugisisch‘ ließ sie, obwohl diese ebenfalls befüllt war, vorerst aus. Das würde erst im Herbst für sie anstehen, wenn die Wandermesse weiter durch Europa zog.

Christian und drei weitere Schüler aus verschiedenen Gegenden des Landes bildeten das offizielle Presseteam der Veranstaltung, zumindest für den deutschsprachigen Raum. Sie würden Interviews führen und über die Messe berichten, jedoch nicht nur in den Schülerzeitungen. Auch einige überregionale Tageszeitungen hatten sich bereit erklärt, entsprechende Texte zu drucken.

Yvonne und Moritz luden die riesige Kiste mit ihrem Equipment auf eine Art Kofferkuli, die zu Dutzenden am Rand des Parkplatzes auf ihre Verwendung warteten, und schoben diesen die kleine Schräge vor dem Lieferanteneingang hinauf. Die kleinen Gummireifen quietschten erbärmlich. „Verdammt!“, fluchte Moritz, als sich eins der Räder partout nicht in die gewünschte Richtung drehen wollte. Verärgert trat der Junge dagegen. Nachdem sie einen schmalen, langen Korridor durchquert hatten, erreichten sie schließlich die eigentliche Ausstellungshalle.

Yvonne warf einen Blick auf den Plan und orientierte sich mittels der Hinweistafeln, die an der Wand hingen. Sie deutete zum fernen Ende der Halle. „Nummer 23 liegt da drüben.“

Wie die Lemminge schoben unzählige Gruppen ihre Wägelchen zwischen den mit gelbem Klebeband auf dem Boden markierten Ausstellungsbereichen hindurch, die mit großformatigen Zahlen beschriftet waren. Moritz wurde das ewige Lenken zu bunt, und so fuhr er den Wagen einfach über die Standplätze der anderen Gruppen, wenn dort nicht bereits etwas aufgebaut worden war. Schließlich erreichten die beiden den ihnen zugewiesenen Platz. Der große Holztisch und die Leiste mit den Steckdosen hatte man für sie wie angefragt bereitgestellt. Auch der unbedingt benötigte Computermonitor fehlte nicht.

Yvonne öffnete die Kiste und nahm vorsichtig den in Luftpolsterfolie eingewickelten Homecomputer heraus: ein fausthoher, dunkelgrauer, breiter Kasten, dessen Oberfläche mehr als 70 Tasten aufwies, und der am rechten Ende ein eingebautes Kassettenlaufwerk besaß. Yvonne schloss jedoch das ebenfalls mitgebrachte Diskettenlaufwerk an den Port an der Rückseite des Computers an. Dann startete sie den Rechner.

„Soweit geht alles“, murmelte sie erleichtert, als das System nach nur wenigen Sekunden mit einem ‚Ready‘ Bereitschaft meldete.

Moritz zog die rund einen Quadratmeter große, rechteckige Metallplatte heraus, in welche unzählige, regelmäßig angeordnete Löcher mit Schraubgewinde eingelassen waren, und legte sie auf den Tisch. Daneben stellte er eine kleinere Kiste mit den einzelnen, fein säuberlich und sicher verpackten Apparaturen für ihr Experiment.

„Wollen wir alles heute schon aufbauen?“, fragte er zweifelnd. „Auf einen Funktionstest habe ich nicht wirklich Bock nach der langen Fahrt. Ich würde viel lieber durch die Halle streifen und schauen, was die anderen so aufstellen. Ist doch spannend, die Experimente zu sehen, wenn sie noch nicht akkurat aufgebaut sind. Was meinst du?“

Yvonne schaute skeptisch. Eigentlich behagte es ihr nicht, eine Aufgabe in erst halb fertigem Zustand einfach liegen zu lassen. Andererseits hatte Moritz schon recht. Aufbauen konnten sie morgen auch noch, sich die anderen Versuchstische in einem frühen Stadium der Fertigstellung anschauen – das ging aber nur heute. Und eigentlich erwartete sie auch keine Probleme mit ihrer Ausrüstung. Moritz und sie hatten zuhause alles mehrfach getestet, es auseinander- und wieder zusammengebaut. Und es hatte jedes Mal einwandfrei funktioniert.

So gab sie sich einen Ruck und nickte.

„Klasse!“, freute sich Moritz.

Sie gingen langsam los und bestaunten die Apparaturen der anderen Messeteilnehmer aus Deutschland. Die Ankunft der Gruppen aus Schweden und Spanien war für den frühen Abend avisiert worden. Danach würden rund 60 Experimente auf die Besucher warten.

Gesamte Geschichte:
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