

Ein Architekt wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Verdächtige haben wir schnell, auch Motive. Aber darüberhinaus fehlt uns alles – Tatzeitpunkt, Mordwaffe, Beweise. Doch als wir tiefer graben, brechen uns nach und nach die Verdächtigen weg. Nur einer bleibt übrig. Und dessen Plan scheint schier unglaublich: ein Mord, bei dem Zeit keine Rolle spielt.
| Gesamtlänge: 16.600 Wörter von marcm200 | ![]() | ![]() |
Der Vormittag war nur eins – verregnet. Graue Wolkenbänder schoben sich träge über den Himmel. Das trübe Licht vermochte kaum, die Straßen von Sutton zu erhellen. Es war, als habe jemand vergessen, die Sonne anzuknipsen.
Mein Dienstpartner Neil Boulder und ich saßen in unserem gut geheizten Büro am Chancellor Garden. Dennoch wären wir lieber unterwegs gewesen anstatt Berichte zu finalisieren.
Die Störung durch das schellende Telefon nahmen wir daher nur zu gerne an.
„Captain Dougall, was gibt es?“, meldete ich mich sofort.
Unser Vorgesetzter, der Leiter der Sutton PD Homicide Division South, gab uns einen neuen Auftrag. Ein Architekt war tot in seiner Wohnung in Riverside im Südosten Suttons aufgefunden worden.
Auf der Fahrt zum Fundort der Leiche überprüfte Neil im Computer, der in der Mittelkonsole unseres Dienstwagens eingelassen war, die Personaldaten des Toten.
„Steven Cline, 42 Jahre alt, ledig. Mitgeschäftsführer einer kleinen Architektur-Firma. Besitzt ein Haus im Norden von Sutton, in Taylor Park, sowie eine Wohnung in Riverside, in der er tot aufgefunden wurde. Da scheint Geld vorhanden zu sein, wenn man sich so etwas leisten kann. Riverside ist nicht gerade die günstigste Ecke unserer geliebten Heimatstadt.“
Ich stimmte zu, musste mich aber voll auf den Verkehr konzentrieren. Regentropfen peitschten auf die Windschutzscheibe, und die Wischerblätter hatten Mühe, der Wassermassen Herr zu werden. Gerade kam mir auch noch ein dunkler Wagen entgegen, dessen Fahrer zu allem Überfluss auch noch vergessen hatte, die Scheinwerfer einzuschalten.
Nach etwa zwanzig Minuten erreichten wir unser Ziel: ein modernes, teuer aussehendes, achtstöckiges Apartmentgebäude. Zwei Streifenwagen des Precincts sowie ein Kastenwagen der Spurensicherung standen vor dem Eingang. Schaulustige waren bei diesem Wetter nicht zu sehen, und auch die Presse glänzte durch Abwesenheit.
Ich parkte den Wagen hinter einem der Patrolcars. Wir stellten die Kragen unserer Mäntel hoch und liefen mit schnellen Schritten durch den Regen zum Eingang in der breiten Glasfront, aus der gelbes Licht auf die Straße fiel.
Ein Uniformierter öffnete uns und schickte uns in den fünften Stock. Neil und ich nahmen den Lift. Officer Sturgiss, der dienstälteste Beamte vor Ort, kam uns entgegen. Wir kannten den Kollegen von früheren Einsätzen.
„Viel haben wir noch nicht“, begann er seinen Bericht. „Steven Cline wurde heute Morgen um 8:57 Uhr von seiner Haushälterin Maria Gonzalez tot in seinem Bett aufgefunden. Sie verständigte sofort den Notarzt. Doch da war nichts mehr zu machen. Miss Gonzalez wartet da hinten.“
Mit dem linken Arm wies er auf das ferne Ende des Ganges, wo ein Officer bei einer verschüchtert dreinblickenden jungen Frau stand.
„…und Dr. Casalle ist noch bei der Leiche.“
Wie immer wollten mein Partner und ich uns zunächst ein Bild von der Wohnung und dem Fundort der Leiche machen, bevor wir mit Zeugen sprachen. Das Apartment war teuer eingerichtet, wie man es in einem Haus dieser Preisklasse erwartete. Anthrazit war die vorherrschende Farbe. Der Boden bestand aus dunklen Steinplatten, die Wände waren in einem nur wenig helleren Grau gestrichen und mit kostbar aussehenden Kunstdrucken behängt. Wir sahen auch einige Metallskulpturen.
„Hallo, Jennifer“, begrüßten Neil und ich die Pathologin, die gerade mit der Untersuchung der Leiche im Schlafzimmer fertig geworden schien.
„Hi, Jungs“, grüßte Dr. Jennifer Casalle zurück und schloss ihren Koffer.
Ich betrachtete mir die Leiche genauer. Auffällig waren die kleinen, roten Punkte, mit denen Clines Körper und insbesondere sein Gesicht übersät waren. Zuerst dachte ich an blutende Wunden, doch die Verfärbungen schienen unter der Haut zu sitzen. Ich fragte Jennifer danach.
„Du hast recht. Sein ganzer Körper, also nicht nur Gesicht und Arme, sondern auch Brust, Bauch und Beine sind damit übersäht. Es handelt sich um subkutane, also innere, Blutungen direkt unter der Haut. Aber deren Ursache? Etwas in dieser Häufigkeit habe ich noch nie gesehen. Andere Verletzungen sind nicht zu sehen.“
„Könnte es eine Vergiftung sein?“, fragte Neil dennoch nach.
„Möglich. Aber ebensogut könnte es Ausdruck einer Krankheit sein. Oder einer allergischen Reaktion. Ich führe die Obduktion noch heute durch. Mehr kann ich euch aktuell dazu nicht sagen.“
„Ist der Todeszeitpunkt zu bestimmen?“, wollte ich wissen.
Jennifer nickte. „Der Körpertemperatur nach starb der Mann vor etwa zwei bis vier Stunden. “
Jennifer verabschiedete sich und verließ die Wohnung.
Als Nächstes wollten wir mit der Haushälterin sprechen.
„Miss Gonzalez“, wandte ich mich an die etwa zwanzigjährige Frau. Sie war einen Kopf kleiner als ich und sehr zierlich. Sie trug Jeans und Bluse. Ihr Gesicht war bleich, und sie zitterte leicht. Das Auffinden des Toten hatte sie offensichtlich stark mitgenommen. Dennoch mussten wir sie befragen, denn die ersten Eindrücke waren sehr wichtig für unsere Arbeit. „Wir sind vom Sutton PD. Ich bin Detective Trevor Chance, und das ist mein Partner, Detective Neil Boulder“, stellte ich uns mit gedämpfter Stimme vor und wartete einen Moment, bis die Angesprochene aufsah.
„Sind Sie in der Lage, uns einige Fragen zu beantworten? Es ist sehr wichtig.“
Maria Gonzalez antwortete mit leiser Stimme. „Ja, es wird schon gehen. Der Anblick von Mr Cline…“ Sie stoppte abrupt und wischte sich Tränen aus den Augen.
Wir gaben ihr einen Moment, um sich wieder zu sammeln. Der Tod ihres Chefs schien sie tief getroffen zu haben. Aber der Kriminalist in mir hatte sofort eine andere Erklärung parat. Vielleicht bestand zwischen beiden ja mehr als nur ein Arbeitsverhältnis?
„Sie arbeiten als Haushälterin für Mr Cline?“, begann ich mit einer allgemeinen Frage.
Miss Gonzalez nickte. „Seit etwa neun Monaten. Ich studiere Kunstgeschichte und Mediendesign und verdiene mir so etwas zu meinem Stipendium dazu.“
Ich ließ die Zeugin erst einmal frei sprechen. Sie erzählte uns, dass sie Mr Cline über eine Agentur für Zeitarbeit kennengelernt hatte und seitdem bei ihm beschäftigt war. Ihre Angaben halfen uns nicht bei den Ermittlungen, aber manchmal mussten sich Zeugen einfach in einen Fluss hineinreden. Zumal, wenn sie so aufgewühlt wie die Haushälterin waren.
Als sie schließlich stoppte, kam ich auf den heutigen Tag zu sprechen. „Wann trafen Sie am Morgen hier ein?“
„Um kurz vor neun Uhr. Wissen Sie, meine Vorlesungen beginnen dienstags immer erst am Nachmittag, deshalb mache ich Mr Cline dienstags Vormittags immer den Haushalt. Also putzen, einkaufen, aufräumen, was so zu erledigen ist. Meist ist er ja gar nicht in der Wohnung. Er legt mir den Lohn auf die Kommode. Oft mit einer Blume daneben. Er ist ein netter Mensch.“
Ihre Augen nahmen einen verträumten Ausdruck an. Sie schien ihren Chef anzuhimmeln. Von ihrer Seite aus war es definitiv mehr als ein reines Arbeitsverhältnis.
„War heute etwas anders als sonst?“, wollte Neil wissen. „Ist irgendetwas Ungewöhnliches passiert, als Sie eintrafen? Vielleicht war die Tür offen? Ist Ihnen jemand im Flur vor dem Apartment begegnet?“
Nach kurzer Überlegung verneinte Miss Gonzalez.
„Wie ging es weiter, als Sie hier ankamen?“
Sie holte einen Schlüssel aus ihrer Handtasche. „Ich sperrte wie immer auf und rief nach Mr Cline.“
Ich unterbrach die Haushälterin. „Sie sagten gerade, Ihr Chef sei meist nicht da, wenn Sie kämen. Warum riefen Sie dann nach ihm?“
Man sah der Frau an, dass ihr die Antwort unangenehm war. „Nun“, begann sie zögernd. „Mr Cline, also Sie müssen wissen, er war ein sehr … aktiver Mann. Er war meist nicht allein. Und es ist schon einmal zu einer peinlichen Situation gekommen, als ich die Tür zum Schlafzimmer öffnete … da sah ich ihn mit einer Frau zusammen bei … Sie wissen schon.“
„Haben Sie die Frau öfters bei Mr Cline gesehen? War sie heute auch da?“, stellte Neil die nächste Frage.
„Nein, heute war niemand in der Wohnung. Das heißt, außer dem toten Mr Cline. Aber die Frau war öfters bei ihm. Sie ist etwa fünfunddreißig Jahre alt, blondierte Haare, hochgewachsen. Also, mein Typ wäre sie nicht, wenn ich ein Mann wäre.“
Da sprach eindeutig die Eifersucht aus der Studentin. Möglicherweise hatte sie sich ihrem Arbeitgeber genähert und er sie abgewiesen. Ein klassisches Motiv. Ich setzte Miss Gonzalez gedanklich auf die Liste der Verdächtigen, auch, wenn zur Zeit noch nicht einmal geklärt war, ob Steven Cline überhaupt durch Fremdverschulden zu Tode gekommen war.
„Können Sie die Frau genauer beschreiben?“
„Nun, wie gesagt, langes hellblondes Haar, glatt. Sie war sehr dünn, aber fit. Sie trug kein Make-up, war immer top gekleidet, also richtig chic. Schmales Gesicht, etwa 1,75 m groß, würde ich sagen. Ein kleines Grübchen rechts über der Lippe.“
„Wissen Sie den Namen der Besucherin? Oder ist Ihnen sonst noch etwas aufgefallen?“
„An besagtem Tag, also nach dem Vorfall mit dem Schlafzimmer, als ich die beiden in flagranti ertappt habe… da hat Mr Cline sie Erin genannt. Und an ihrer linken Hand habe ich einen hellen Streifen am Ringfinger gesehen.“
Ich blickte verblüfft und beeindruckt auf. „Miss Gonzalez, Sie sind eine gute Beobachterin.“
Jetzt lächelte die Studentin das erste Mal seit Beginn der Befragung. Sie entspannte sich ein wenig. „Danke. Ich habe einen Blick für Details, das hilft mir sehr beim Studium.“
Die junge Frau erzählte uns anschließend noch, dass sie zuerst eine Runde durch das Apartment gemacht hatte, nachdem auf ihr Rufen keine Antwort erfolgt war. Das peinliche Erlebnis musste sie ziemlich verlegen und auch vorsichtig gemacht haben. Und noch bevor sie mit ihrer eigentlichen Arbeit anfangen konnte, fand sie ihren Arbeitgeber im Schlafzimmer. Die Frage nach einem mehr als beruflichen Verhältnis zu ihrem Chef verneinte sie entschieden.
Wir bedankten uns bei Miss Gonzalez, baten sie aber, noch heute in unser Büro am Chancellor Garden zu kommen und für ein Phantombild zur Verfügung zu stehen. Die Zeugin sagte es zu und schien froh zu sein, das Apartmentgebäude nun endlich verlassen zu können.
Wir fuhren hinunter ins Erdgeschoss und befragten den Portier in seiner Loge.
„Mr Blake“, sprach ich ihn an, nachdem ich seinen Namen auf einem kleinen Schild, das auf der Empfangstheke stand, gelesen hatte. „Detectives Chance und Boulder, Sutton PD. Wir haben ein paar Fragen an Sie bezüglich Mr Cline.“
Blake erhob sich aus seinem Sessel. Er stand kerzengerade da, als ob wir einen Appell in der Armee abhalten würden.
„Sie waren beim Militär?“, fragte ich.
Stolz blitzte in seinen Augen auf, aber Blake schüttelte den Kopf. „Nein, Detective Chance, nicht bei der Army. Ich war im Police Department in Boston, SWAT-Team, zehn Jahre lang bis zu meiner Knieverletzung.“
„Kannten Sie Mr Cline?“, kam Neil auf das eigentliche Thema zu sprechen.
„Kaum, Sir. Er grüßte ab und an, wenn er das Gebäude betrat. Aber sonst hatten wir keinen Kontakt.“
„Haben Sie gestern gesehen, wann er in seine Wohnung gekommen ist?“
„Meine Doppelschicht begann um zehn Uhr am Abend. Etwa um halb elf traf Mr Cline ein, nickte mir kurz zu und fuhr direkt nach oben.“
„Wirkte er irgendwie anders als sonst? Machte er einen nervösen Eindruck? Begleitete ihn jemand?“, wollte ich wissen.
Blake verneinte. „Mr Cline war wie immer. Er kam alleine. Aber wie häufig in den letzten Monaten kam einige Minuten später eine Frau ins Gebäude. Sie hatte eine Schlüsselkarte. Sie nickte mir wie immer freundlich zu, und ging zum Lift. Ich weiß nicht mit Sicherheit zu sagen, dass sie Mr Cline besuchte, aber die zeitliche Übereinstimmung war schon sehr auffällig. Gerade so, als ob man nicht denken solle, sie ginge zu ihm.“
„Sie wohnt also selbst nicht hier?“, hakte ich nach.
„Das weiß ich nicht.“
„Bitte lassen Sie uns eine Liste der Mieter oder Wohnungseigentümer zukommen“, bat ich.
Ich wiederholte kurz die Beschreibung, die uns Miss Gonzalez gegeben hatte, und wie erhofft, nickte der Doorman. Meine Frage nach ihrem Namen konnte er allerdings nicht beantworten, aber er erzählte uns noch, dass sie etwa gegen acht Uhr heute Morgen das Gebäude wieder verlassen hatte. Und dabei schien sie sehr in Eile gewesen zu sein.
Da das Apartmentgebäude selbstverständlich eine Videoüberwachungsanlage besaß, die das Foyer, das Treppenhaus sowie sämtliche Gänge filmte, baten wir ihn, uns die Dateien der letzten drei Tage zu kopieren und ins PD zu schicken.
Danach fuhren wir zurück in unser Büro. Auf der Fahrt checkte Neil die Liste der Mieter, konnte aber niemanden finden, dessen Vorname Erin lautete. Dann lehnte sich mein Dienstpartner im Beifahrersitz zurück und fasste zusammen, was wir wussten.
„Unklarer Todesfall. Zwei mögliche Verdächtige. Miss Gonzalez und das Motiv Eifersucht. Und die unbekannte Besucherin mit dem ebenfalls unbekannten Motiv.“
„Falls sie denn überhaupt bei Cline war“, schränkte ich ein. „Warum sollte sie die Wohnung erst einige Zeit nach Eintritt des Todes verlassen? Der ist ja, laut Jennifer, zwischen 5 und 7 Uhr am Morgen eingetreten.“
Darauf wusste Neil keine Antwort. „Na, warten wir mal die Auswertung der Überwachungsvideos ab, bevor wir weiterspekulieren.“
Im Büro durchsuchten wir unsere polizeiinternen Datenbanken nach Informationen zu Cline und Gonzalez. Letztere besaß keine Einträge, sie war mit dem Gesetz demnach noch nie in Konflikt geraten. Aber Steven Cline war für uns kein Unbekannter. Zum einen war bei ihm vor zwei Wochen eingebrochen worden. Die Kollegen des entsprechenden Dezernats hatten ermittelt, aber keinen Verdächtigen identifizieren können. Laut Angaben Clines war nichts gestohlen worden. Doch interessanter für uns war, dass das Betrugsdezernat vor einigen Monaten wegen des Anfangsverdachts der Bestechlichkeit im Baudezernat ermittelt hatte. Und im Rahmen dieser Untersuchung war auch Cline vernommen worden, da sein Architekturbüro bei auffällig vielen Ausschreibungen der letzten Jahre gewonnen hatte. Cline war immer etwas günstiger als die Konkurrenz gewesen. Das fiel der Innenrevision der städtischen Baubehörde auf.
Jedoch war die Ermittlung ohne Ergebnis im Sand verlaufen. Aber wir hatten einen neuen Ansatzpunkt.
Als Nächstes wollten wir uns Clines Firma näher anschauen. Wir waren gerade erst auf die Main Street eingebogen, da erreichte uns ein Anruf unseres Kollegen, der in der Fahndungsabteilung arbeitete. Neil nahm das Gespräch entgegen und stellte die Freisprecheinrichtung an, damit ich mithören konnte.
„Gary, was gibt’s?“
„Neil, ihr habt mir eine Maria Gonzalez geschickt wegen eines Phantombildes.“
„War sie schon bei dir?“
„Richtig geraten. Das Bild ist bereits fertig. Ich habe es eingescannt und schicke es dir auf dein Handy.“
„Danke. Das war schnelle Arbeit.“
„Gern geschehen. Miss Gonzalez‘ Angaben waren sehr detailliert. Da fiel es mir leicht, ein lebendig wirkendes Gesicht zu zeichnen. – Aber was anderes. Was soll mit der Zeugin weiter geschehen? Sie ist aktuell noch hier im PD.“
„Sie kann gehen, soll aber die nächsten Tage für uns erreichbar bleiben. So long, Gary“, antwortete Neil und hängte auf.
Kurz darauf kam das versprochene Bild an. Zur Sicherheit wollten wir es noch dem Doorman zeigen. Neil rief rasch bei der Crime Scene Unit an, um zu erfahren, ob noch jemand vor Ort in Clines Apartment anwesend war. Wir hatten Glück, denn noch war die Sicherung der Spuren nicht abgeschlossen. Neil sandte das Foto dem dortigen Techniker und bat ihn, den Doorman zu befragen. Wenig später erhielten wir die Bestätigung: Es war die Frau, die am Morgen das Gebäude in Eile verlassen hatte.
„Jaja, die Segnungen der modernen Technik. Ohne diese ganze Telefoniererei und Email und Chat und Kram liefen die Ermittlungen sehr viel langsamer ab. Wir müssten nach jeder neuen Information kreuz und quer durch Sutton fahren“, sinnierte Neil.
Ich nickte. „Da sagst du was. Aber gäbe es die Technik für uns nicht, dann hätten die Verbrecher sie auch nicht – und es herrschte weiter Gleichstand.“
Doch damit war Neil nicht einverstanden. „Gleichstand? Ich habe das Gefühl, dass die Technik der Kriminellen der unseren immer einen Schritt voraus ist.“
Dann rief Neil noch zwei unserer Kollegen im PD an und bat sie, sich die Überwachungsvideos von Clines Wohnung anzuschauen. Außerdem würden sie das Phantombild durch die Gesichtserkennungssoftware jagen. Wir hofften, die Frau irgendwo in unserem System oder dem der Führerscheinbehörde zu finden – und wenn nicht, dann mussten eben sämtliche Social-Media-Seiten durchforstet werden. Die Computerforensik würde sich freuen.
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