Charlottes Blick 7 – Zeuge der Anklage (Text, Mystery)


Cover zur Geschichte 'Charlottes Blick 7 - Zeuge der Anklage' : Charlotte bringt einen Peilsender an einem Wagen an, der am Straßenrand in einem Wohnviertel parkt. Sie ist als Joggerin getarnt.


Charlotte muss gleich mehrere Fälle bearbeiten. Ein Klient beauftragt sie, seinen verschwundenen Bruder zu suchen. Ein Verkehrsunfall weckt ihr Interesse, und im Laufe der Ermittlungen gerät sie in eine brenzlige Situation. Und dann braucht auch noch Phil wieder ihre Hilfe bei einem Auftrag, der nicht nur sein Leben bedroht. Die Ereignisse wecken Erinnerungen an ihre Jugend.

Gesamtlänge: 17.100 Wörter
von marcm200

PDF-Link für Geschichte  'Charlottes Blick 7 - Zeuge der Anklage'

EPUB-Link für Geschichte  'Charlottes Blick 7 - Zeuge der Anklage'

Leseprobe – der Anfang der Geschichte:

„Okay, Annabelle“, gab Charlotte sofort ihre Zustimmung. „Das übernehme ich.“

„Super. In einer Stunde im Büro. Besprechungszimmer ist reserviert.“ Ihre Stimme wurde ernst. „Und, Charlotte, vielleicht erzählst du mir irgendwann einmal, warum dich solche Fälle besonders interessieren.“

„Ja, vielleicht. – Danke für den Anruf“, erwiderte Charlotte, verabschiedete sich von ihrer Kollegin und legte den Hörer auf die Gabel.

Sie nahm den Mantel von der Garderobe und fuhr mit ihrem Wagen zum Bürohochhaus in der Clermont Street. Das schmucklose Gebäude ragte ein Dutzend Stockwerke in den Himmel. Viele kleine Firmen hatten dort Räumlichkeiten angemietet. Charlotte ließ sich mit dem Lift in die 11. Etage hinaufbringen und wandte sich nach links zu einer großen Glastür, an der auf einem mattschwarzen Schild silbern glänzend die Buchstaben ‚PIAV‘ prangten. Sie betrat den Vorraum. Hinter einem breiten Tresen saß die Empfangsdame.

„Guten Morgen, Mrs Miller“, grüßte Charlotte.

„Miss Bernstedt, hallo. Sie haben Zimmer 4. Ihr Klient wartet bereits auf Sie.“

Charlotte dankte und ging den hellgestrichenen Flur hinunter, an dessen Wänden Poster hingen, welche die Skylines verschiedener Metropolen der Welt zeigten.

Seit sie vor zwei Jahren der Vereinigung der Privatdetektive in Vancouver beigetreten war, konnte sie deren Räumlichkeiten, die über die ganze Stadt verteilt waren, nutzen. Auch die anderen Services des Dienstleisters auf steuerlichem und verwaltungstechnischem Gebiet sowie Schreib- und Dokumentationsarbeiten nahm Charlotte häufig in Anspruch, um sich voll auf den eigentlichen Auftrag eines Klienten konzentrieren zu können.

Sie öffnete die letzte Tür auf der linken Seite und betrat das hellerleuchtete Besprechungszimmer. Ein Konferenztisch mit sechs Stühlen und ein paar Kakteen in den Zimmerecken waren die einzigen Einrichtungsgegenstände. Auf dem Tisch standen Erfrischungsgetränke. Gegenüber der Tür saß ein Mann in den Dreißigern im dunkelgrauen Anzug. Eine schmale Aktentasche lag neben einem Glas, das mit Mineralwasser gefüllt war. Der Klient blickte auf, als die Freelancerin eintrat.

„Guten Morgen, Mr Mahoney“, begrüßte Charlotte den dunkelhaarigen Mann, der nun aufstand und ihr die Hand schüttelte.

Charlotte setzte sich ihm gegenüber. „Was genau kann ich für Sie tun?“

„Mein Bruder ist verschwunden. Wir waren gestern zum Dinner verabredet, aber er ist nicht erschienen. Telefonisch konnte ich ihn nicht erreichen. Auch nicht heute früh.“

Charlotte holte ihren Block heraus und notierte Stichworte. „Ist dieses Verhalten so ungewöhnlich? Vielleicht hat er die Verabredung einfach nur vergessen.“

„Nein, es ist sehr ungewöhnlich für Rick. Wissen Sie, seit unsere Eltern gestorben sind – Rick war damals 13, ich ein Jahr älter – sind wir unzertrennlich. Wir wuchsen bei unseren Großeltern auf. Verabredungen halten wir immer ein. Und wenn etwas dazwischen kommt, verständigen wir uns gegenseitig. Deswegen mache ich mir bereits jetzt Sorgen um ihn.“

„Waren Sie schon bei der Polizei?“

„Ja. Man hat die Hospitäler überprüft. Aber erfolglos. Mehr wurde nicht getan. Es hieß, Rick sei erwachsen, und es lägen keine Hinweise auf ein Verbrechen vor.“

Charlotte goss sich einen Orangensaft ein und trank einen Schluck.

Robert Mahoney öffnete die Aktentasche und entnahm ihr ein Photo, das zwei lachende Männer an einem Strand zeigte. Im Hintergrund ragten Palmen in die Höhe. „Das war während unseres Urlaubs im letzten Jahr. Links, das ist Rick.“

Charlotte nahm das Bild entgegen. „Haben Sie einen bestimmten Verdacht, was mit Ihrem Bruder geschehen sein könnte?“

Mahoney schüttelte den Kopf.

„Wann haben Sie ihn das letzte Mal gesehen oder gesprochen? Hat er sich irgendwie anders verhalten als sonst?“

„Das ist drei Tage her. Er kam etwas zu spät, da er Zeuge bei einem Unfall war. Wir aßen zu Mittag und sprachen über alles Mögliche. Rick war vergnügt wie immer in der letzten Zeit.“

Charlotte horchte auf. „Können Sie mir mehr über diesen Unfall erzählen?“

„Ich weiß nur, dass Rick an der Ecke Landon Boulevard/Rivertown Street einen Verkehrsunfall beobachtet hat. Ein Passant, der über die Straße ging, wurde fast angefahren, als ein Auto bei Rot über die Kreuzung fuhr und mit quietschenden Reifen verschwand. Einer der Ladenbesitzer an der Ecke verständigte die Polizei, und Rick machte, wie auch andere Zeugen, seine Aussage. – Glauben Sie, dass dies etwas mit seinem Verschwinden zu tun hat?“

„Möglich. Mehr wissen Sie nicht darüber?“

Mahoney verneinte.

„Was macht Ihr Bruder beruflich?“

Robert Mahoney zuckte die Achseln. „Seit Rick vor einem Jahr seinen Job in einem Autohaus gekündigt hat, tut er, was seinen Beruf angeht, sehr geheimnisvoll. Ich weiß nicht, wo er arbeitet. Aber es muss etwas Einträgliches sein, denn Geldprobleme hat er keine.“

Charlotte stellte noch weitere Routinefragen, um sich ein erstes Bild von Rick Mahoney zu machen. Ihr Klient hatte in der Wohnung seines Bruders nach dem Rechten gesehen, aber nichts Ungewöhnliches bemerkt.

Sie erhielt die Adresse von Rick Mahoney sowie Roberts Ersatzschlüssel zur Wohnung seines Bruders. „Ich werde mich darum kümmern, Mr Mahoney.“ Sie brachte den Klienten zum Ausgang und verabschiedete ihn.

Charlottes Gesicht war hart geworden. Wie so oft bei Fällen dieser Art wollten ihre Gedanken in die Vergangenheit wandern.

Diesmal ließ sie es zu.

Gesamte Geschichte:
PDF-Link für Geschichte  'Charlottes Blick 7 - Zeuge der Anklage'

EPUB-Link für Geschichte  'Charlottes Blick 7 - Zeuge der Anklage'

Zum Diskussionsthread im Bandenboard

Kommentar hinterlassen

Die Angabe der E-Mail-Adresse ist freiwillig. Sie wird nicht veröffentlicht und selbstverständlich nicht für Spam verwendet.

Der Kommentar wird nach dem Absenden zuerst von uns kontrolliert und danach freigegeben, bevor er auf der Webseite veröffentlicht wird.