Die vier Freunde verbringen zwei Wochen mit einer Jugendgruppe in Spanien. Sommer, Surfen, Strand sind angesagt. Doch ausgerechnet der sportliche Christian scheint Probleme mit dem Windsurfen zu haben. Und zwei Betreuer verhalten sich auffällig, als Christian und Yvonne für einen Tag nach Frankreich zu einem Surfwettbewerb fahren. Irgendetwas geht in dem Jugendcamp vor sich. Mit technischer Raffinesse kommen die vier den Ganoven auf die Schliche.
| Gesamtlänge: 8.500 Wörter von marcm200 |
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Kapitel 1 – Die Ferienfreizeit
Die Sonne brannte heiß vom Himmel und spiegelte sich im blauen Meer. Die vier von der Halo-Clique waren an diesem späten Vormittag schon einige Zeit auf dem Wasser – Windsurfen war angesagt!
Christian, der sportliche der Freunde, übte die schwierige Halse, die Richtungsänderung im Wind und flitzte mit seinem leichten Brett über das Wasser, als hätte er noch nie etwas anderes getan.
Yvonne und Lena ließen es auf ihren Anfängerbrettern langsamer angehen. Ihnen gelang eine Wende, das leichtere der Manöver zur Richtungsänderung, während der Freund in derselben Zeit mehrere Halsen vollführte – und viel elegantere. Aber schließlich waren die gerade begonnenen Ferien auch kein Wettbewerb.
Moritz dagegen war schon frustriert nach diesen knapp zwei Stunden. Obwohl er, wie Yvonne und seine Freundin Lena auch, am gestrigen Tag an einem Einführungskurs im Windsurfen teilgenommen hatte, blieben seine Erfolge sehr überschaubar. Ärgerlich saß er auf seinem Brett und ließ die Beine im Meer baumeln. Er hatte den Vormittag mehr im Wasser unter seinem Segel als auf dem Brett verbracht. Das große Schwert, das ins Wasser ragte, hatte zwar die Lage des Brettes stabilisiert. Aber Segel und Wind in Kombination taten leider nicht, was Moritz verlangte.
„Der Wind ist dein Freund“, zitierte der Junge den Leitspruch aus der Einweisung ins Windsurfen. „Meiner heute auf jeden Fall nicht.“
Er war es jedenfalls leid, sprang ins Wasser, zog das Segel halbwegs auf das Brett und schob dieses Konstrukt schwimmend Richtung Strand. Dort angekommen trug er das nasse Segel zum Segeltrockenständer ganz in der Nähe. Mit Hilfe eines anderen Jugendlichen des Ferienlagers schleppte er das schwere Brett in die kleine Holzhütte an der Seite der Jugendherberge, die sich nur wenige Dutzend Meter vom Meer entfernt befand.
Nach und nach beendeten auch seine Freunde die morgendliche Sportaktivität und verstauten Brett und Segel regelgerecht, wie ihnen am Vortag von den Betreuern gezeigt worden war.
Danach ließen sie sich neben Moritz nieder.
Die Halo-Clique nahm an einer zweiwöchigen Jugendsportfreizeit im Norden Spaniens teil. Und mit den Belohnungen, die sie für ihre letzten beiden Fälle erhalten hatten, konnten sie den Urlaub auch selbst finanzieren. Da der Trip vom Jugendzentrum organisiert und betreut wurde, hatten auch die Eltern nichts gegen eine Teilnahme einzuwenden gehabt.
Und so waren die vier, zusammen mit etwa zwei Dutzend anderer Mädchen und Jungen sowie zweier Betreuer aus der Heimatstadt, am vorgestrigen Morgen in einen Bus gestiegen, der sie schnurstracks durch Frankreich hindurch bis in den Norden Spaniens an die Mittelmeerküste gebracht hatte.
„Jemand Hunger?“, fragte Lena. „Ich hole Sandwiches und Eis. Einverstanden?“
Dagegen hatte niemand etwas einzuwenden. Lena stand auf, zog ihr Strandkleid über den mittlerweile getrockneten Badeanzug und lief zur Jugendherberge.
Im Speisesaal im Erdgeschoss trat sie an das kleine Buffet, nahm ein paar Sandwiches mit Käse oder Schinken und ging danach die Strandpromenade hinunter zum nahen Kiosk.
Auf Spanisch bestellte sie das Eis und kaufte sich noch eine wissenschaftliche Zeitschrift mit dem verheißungsvollen Namen Sabes?.
Mit dem Eis in einer weißen Plastiktüte, den Sandwiches in ihrer Tragetasche und der Zeitschrift unter dem Arm ging sie raschen Schrittes zurück.
Sie überholte die beiden freundlichen spanischen Betreuer, Juan und Alejandro, die vor Ort zur Unterstützung der Ferienfreizeit zusätzlich engagiert worden waren. So standen nun insgesamt vier Ansprechpartner für die Teilnehmer zur Verfügung.
Das Mädchen konnte einen Teil des Gespräches unbeabsichtigt mithören.
„Viste à tal Christian?“
Hast du diesen Christian gesehen?
„Claro. Parece que ser un surfer bastante bueno.“
Klar. Scheint ein ziemlich guter Surfer zu sein.
„Si. Debemos usar su … ya sabes?“
Ja. Sollen wir sein … du weißt schon … benutzen?
Dann war Lena auch schon an den beiden vorbei, grüßte knapp und lief weiter zu ihren Freunden.
Sie verteilte das Essen und erzählte Christian von der kurzen Unterhaltung. „Vielleicht wollen die ja was von dir. Kannst ja mal nachfragen.“
Christian nickte. „Klar. Aber jetzt muss ich erst Kräfte sammeln für den zweiten Surfteil nachher.“
Er legte sich auf sein Handtuch und döste vor sich hin. Moritz hörte Musik, Lena blätterte in ihrer Zeitschrift und las alle Berichte, auch wenn sie sich beispielsweise nicht wirklich für Quallen interessierte. Aber sie nahm sich vor, nachher mal lieber nachzufragen, ob diese Tiere auch hier in Strandnähe vorkamen.
Yvonne las abwechselnd in einem Teenagerdrama und in ihrem Buch über Mikroprozessorarchitektur.
So verging die Zeit an diesem schönen Tag. Und es hätte nicht friedlicher sein können. Aber natürlich sollte es so nicht bleiben.
***
Nach der Mittagspause stand Christian schließlich auf. „Ich gehe wieder ins Wasser. Seid ihr dabei?“
Moritz lehnte ab, Yvonne und Lena wollten lieber am Schnupperkurs Wasserball teilnehmen, und so machte sich Christian am frühen Nachmittag alleine auf den Weg, Brett und Segel zu holen und weiter zu üben.
Als er noch ein paar Meter von der Hütte entfernt war, in der die Bretter aufbewahrt wurden, hörte er jemanden „Alejandro“ rufen. Kurz darauf öffnete sich die Tür der Hütte, und der Betreuer trat heraus. Als er Christian sah, stoppte er für einen Moment, lächelte dann freundlich, aber etwas gezwungen.
„Hallo, Christian! Könntest du in einer Stunde mal ins Büro kommen? Wir hätten eine Überraschung. Ja?“, fragte er auf Deutsch, das er, wie Juan auch, sehr gut beherrschte.
Wer wollte, konnte natürlich auch Spanisch mit ihnen sprechen. Aber nur eine Handvoll Jugendlicher, darunter Lena, tat dies auch. Die meisten waren wegen des Sportangebotes hier.
Christian war zwar erstaunt, sagte aber zu, und Alejandro ging in Richtung Haupthaus.
Der Junge dagegen betrat den Aufbewahrungsraum und nahm sein Brett, das die Nummer 8 trug.
Hat wohl jemand umgeräumt, dachte er, da das Brett nicht mehr an dem Platz ganz rechts außen stand – dort, wo er es vor der Pause abgestellt hatte.
In einer Öse an einem Ende des Brettes war eine Abschleppleine eingehakt, mit der man das Sportgerät im Wasser ziehen konnte. Dort befand sich auch ein kleiner, mit dieser Nummer beschrifteter Anhänger, wie man ihn an einem Schlüsselbund finden konnte. Am ersten Tag war jedem der Teilnehmer ein Brett zugewiesen worden, mit dem er üben konnte. Auch wenn theoretisch alle gleich waren, gab es doch kleinere Unterschiede im Fahrverhalten. Und jeder sollte die Möglichkeit bekommen, sich an die Macken seines Brettes zu gewöhnen.
Yvonne würde sagen, man wolle eine Unbekannte eliminieren, damit das Können der Surfer eine größere Rolle spiele, dachte Christian amüsiert.
Bis auf Größe, Gewicht und Schwert ja/nein sahen eigentlich alle Bretter gleich aus. Weiße, längliche, mehr oder weniger dicke und abgerundete Dinger eben. Nur die Bretter der Betreuer hatten neben der Nummer auch noch ein paar farbige abziehbare Streifen auf der Oberseite.
***
Doch irgendwie wollte Christian in dieser Stunde nichts gelingen. Was am Morgen noch so elegant und leicht ausgesehen – und sich auch so angefühlt – hatte, jetzt war der Wurm drin. Christian fiel dauernd ins Wasser, er konnte sich nicht auf das Brett einstellen, das ein Eigenleben an den Tag legte, wie er es noch nie zuvor gesehen hatte.
Verärgert versuchte er es immer wieder – mit dem gleichen niederschmetternden Ergebnis.
Frustriert zog er sein Brett schließlich an der Leine zurück an Land und verstaute alles.
Er informierte Moritz, dass er schnell ins Betreuerbüro müsse, zog sich seine Bermudashorts und ein T-Shirt an und ging zur Jugendherberge.
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