Bosco, der Schnüffler – (5) Die Tote im Hünengrab (Buch)



Bosco erhält einen Brief von Malena Scholten. Die Dinge scheinen sich für sie und ihren Bruder Dennis endlich zum Besseren gewendet zu haben. Doch dann macht Bosco eine schreckliche Entdeckung in der Nähe seines Heimatdorfes… Zusammen mit Benjamin und Anja bricht er auf, um einen heimtückischen Mord aufzuklären. Aber diesmal scheint Bosco sich überschätzt zu haben, denn der Mörder kennt keine Gnade, und weitere Leben sind in Gefahr…

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Leseprobe

Vier Wochen später war ich an einem kalten Herbstmorgen mit dem Fahrrad unterwegs. Ich hatte schlecht geschlafen und beschlossen, dass mir Bewegung und frische Luft am besten dabei helfen würden, wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
Trotz meiner Müdigkeit schien ich an diesem Tag über eine gute Ausdauer zu verfügen, denn schon bald fand ich mich in der Nähe eines kleinen Ortes wieder, der ungefähr 15 Kilometer von meinem Heimatdorf entfernt lag und im Grunde nur aus Bauernhöfen, einer Kirche und einer Handvoll Wohnhäuser bestand.
Langsam verschwanden auch die letzten Spinnweben aus meinem Kopf. Mit wachem Blick fuhr ich durch die Ansiedlung, in der sich nicht eine einzige Seele regte. Die Hauptstraße und der Radweg waren mit gefallenen Blättern bedeckt. Es war so ruhig wie auf einem Friedhof.
Bald darauf hatte ich den Ort durchquert und nahm mir vor, in einen Feldweg einzubiegen, um in einem Bogen wieder nach Hause zurückzufahren.
Als eine Brücke in Sicht kam, die über einen schmalen Nebenfluss führte, beschloss ich, noch vorher abzubiegen, da mir der Rückweg inmitten der Felder ansonsten wahrscheinlich abgeschnitten sein würde.
Bei einem morschen Wegweiser mit der kaum noch lesbaren Aufschrift ›Großsteingrab‹ blieb ich stehen, ging im Kopf die entsprechende Route durch und schlug dann die Richtung ein, in die das pfeilförmige Holzschild wies.
Schon bald musste ich schieben, denn der Weg war nicht nur geschottert, sondern zum Teil auch mit großen Bruchstücken von Ziegelsteinen und Dachpfannen bedeckt.
Ich passierte eine Schafweide. Dahinter erstreckte sich ein Stück urtümlicher Heidelandschaft, das sich laut einem Schild in Privatbesitz befand und nicht betreten werden durfte.
Kurz darauf machte der Weg eine Biegung, in deren Ausbuchtung ein Waldstück lag. Aus Erfahrung wusste ich, dass sich dort wohl auch das Hünengrab befinden würde.
Auf der anderen Seite fielen die Felder sanft zum Nebenfluss hin ab. Man konnte kilometerweit über die Landschaft und bis zum nächsten Dorf schauen.
Bei Gelegenheit würde ich mir das Großsteingrab in Ruhe ansehen und ein paar Fotos davon machen, so wie ich es bei anderen Megalithanlagen in unserer Gegend auch schon gemacht hatte. Aber jetzt wollte ich allmählich nach Hause.
Als ich das Waldstück erreicht hatte, entdeckte ich einen weiteren hölzernen Wegweiser, der bereits umgefallen und nicht weniger vermodert war, als sein Gegenstück.
Spontan entschied ich, nun doch eine kurze Pause zu machen und mich beim Hünengrab eine Weile hinzusetzen.
Ich schob mein Rad auf den von Baumwurzeln durchzogenen Pfad zwischen den Bäumen. Nach ungefähr zehn Metern kam ein Oval aus Steinblöcken in Sicht, das von zwei gewaltigen Megalithen bedeckt wurde. Ein dritter Megalith lag neben dem Grab. Irgendwann im Laufe der Jahrtausende musste er bewegt worden sein. Vielleicht im letzten Krieg.
Die Steine waren von grünlichen Flechten überzogen. Zwischen ihnen sah ich etwas Blaues liegen, das ich für eine vergessene Jacke hielt. Ich stellte mein Fahrrad ab und ging auf die jungsteinzeitliche Begräbnisstätte zu.
Offenbar handelte es sich bei dem Kleidungsstück um etwas aus Jeansstoff. Dann konnte ich einen Turnschuh erkennen.
Als ich zwei Beine sah, blieb ich abrupt stehen.
Sofort wollte ich auf die bewusstlose Person zustürzen und falls nötig erste Hilfe leisten. Aber ich kam nicht weit.
Mir wurde so schwindelig, dass ich fast bewusstlos geworden wäre.
Ich sah den Hinterkopf und die langen Haare eines Mädchens. Irgendetwas an ihrer Haltung ließ keinen Zweifel daran, dass sie tot war.
Um ihre Schultern war ein gehäkelter Poncho geschlungen, den ich sofort wiedererkannte.
Er gehörte Malena.

Aus der Buchreihe: Boscos Detektivberichte (Buch 1 – Fall B)

Autor: Perry Clifton


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