Theo und Ina – Das Abenteuer in der Tiefe (Text, Kinder)


Cover zur Geschichte 'Theo & Ina - Das Abenteuer in der Tiefe' : Die beiden Termitenkinder Theo und Ina auf Erkundung in einem Stollen.
Cover und Grafik stammen von bastbox.de


Nachdem der Lehrer den Duftschrank in der Termitenschule nicht richtig abgeschlossen hat, nutzt Theo die Gelegenheit, an einem ganz bestimmten Fläschchen zu riechen. Doch dann kommt ihm eine viel verwegenere Idee! Zusammen mit Freundin Ina stürzt er sich in ein tolles Abenteuer in der Ferne, das die beiden aber in arge Bedrängnis bringt.

Gesamtlänge: 8.000 Wörter
von marcm200 sowie Grafiken von bastbox.de

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Leseprobe – der Anfang der Geschichte:

Es war ein ganz normaler Montagmorgen in der Termitenschule. Nur noch eine Stunde, dann war der Unterricht endlich vorbei. Der neunjährige Theo hielt sich zwei Hände vor den Mund und gähnte leise. Er fand den Tierkundeunterricht heute furchtbar langweilig. Immer nur Bilder anschauen, wie öde!

Plötzlich stupste ihn sein Sitznachbar Klausi mit dem Ellenbogen an, und Theo schrak aus seinen Tagträumen. Statt hier zu sitzen, wollte er viel lieber raus in die Natur und Abenteuer erleben!

Die Stimme des Lehrers drang in sein Ohr. „Was ist das, Theo?“, fragte der große Termitenmann. Er war sehr dünn, und seine Kiefer klapperten beim Sprechen.

Theo fand Lehrer Stock ganz okay, und so schaute er sich das Bild, das dieser hochhielt, genau an. Nun, dieses Tier kannte auch er. „Das ist ein Grashüpfer. Oder…“ Er sah noch genauer hin und korrigierte sich dann. „Das ist eine Fangschrecke. Ich glaube, sie heißt auch Gottesanbeterin.“

Lehrer Stock hob anerkennend die Fühler. „Theo, auch wenn du mal wieder geschlafen hast, stimmt deine Antwort doch. Sehr schön.“ Er legte das Buch mit den vielen großen Bildern von Tieren, die alle draußen im Wald herumliefen und -flogen, auf den Lehrertisch, trat an den Schrank dahinter und sagte: „Ihr seid heute alle so müde. Ich denke, wir sollten in der letzten Unterrichtsstunde wohl besser Duftkunde machen. Das wird euch wieder munter machen.“

Duftkunde, dachte Theo und war hellauf begeistert. Das war viel interessanter als Bilder anzuschauen. Auch der Rest der Klasse wurde lebhafter. Viele Termitenkinder setzten sich nun wieder gerade auf und lümmelten sich nicht mehr in ihren Stühlen. Alle schauten gebannt nach vorne.

Herr Stock nahm fünf kleine Fläschchen aus dem Schrank und stellte sie fein säuberlich nebeneinander auf den Tisch. Die braunen Fläschchen waren so groß wie Theos Hand, und man konnte kaum hindurchschauen. Jedes trug ein Etikett, aber Theo konnte nicht lesen, was darauf stand. Es war einfach zu weit entfernt. Immerhin saß er ganz hinten im Klassenzimmer in der letzten Reihe.

Herr Stock öffnete das erste Fläschchen und erklärte: „Fangen wir an mit der Fangschrecke.“ Langsam träufelte er ein paar Tropfen einer durchsichtigen Flüssigkeit auf einen gelben Schwamm, wie Theos Mutter ihn in der Küche beim Geschirrspülen benutzte. Der Lehrer ging um den Tisch herum zur vordersten Reihe der Schüler und gab Leni den Schwamm.

Das Termitenmädchen nahm ihn in die Hand. Noch roch sie nichts, und so näherte sie ihre Nase langsam dem Schwamm. Immer tiefer sog sie die Luft ein. Und dann, als der Schwamm fast ihre Nase berührte, verzog sie das Gesicht. „Igitt, das riecht ja wie… wie…“

„Wie eine Gottesanbeterin“, sagte der Lehrer. „Es gibt keinen anderen Ausdruck dafür. Prägt euch den Duft gut ein, denn wenn ihr ihn draußen mal riecht, seid auf der Hut! Diese Tiere haben unglaublich starke Beine. Wenn sie euch damit treten, fliegt ihr weit umher. Weiter als von der Tafel hier vorne bis zu Theo.“

Leni reichte den Schwamm weiter, und so roch jedes Kind in der Klasse einmal daran. Danach kamen die Düfte von Fröschen, Bienen und von einem roten Schmetterling, dessen Name sich Theo nicht merken konnte, weil er so lang war.

Ein Fläschchen blieb noch, doch da läutete die Schulglocke zum Ende des Unterrichts. Die Kinder schoben ihre Schulsachen in die Taschen, standen auf und liefen zur Tür des Klassenzimmers.

Lehrer Stock musste sehr laut sprechen, damit man ihn in dem ganzen Lärm noch hören konnte. „Wie Ameisen riechen, das erfahren wir nächste Woche.“ Während die Schüler aus dem Raum drängten, räumte der Lehrer die Fläschchen zurück in den Schrank und schloss die Tür.

Doch sie sprang wieder auf, aber Herr Stock merkte es nicht.

„Tschüss, Theo“, rief der Lehrer und verließ den Raum.

Jetzt war Theo alleine im Klassenzimmer. Als er das Wort ‚Ameise‘ gehört hatte, war jeder Gedanke an ein sofortiges Nachhausegehen vergessen. Ihn faszinierten diese Tiere, die fast genauso aussahen wie Termiten, aber viel kleiner waren und außerdem nicht so weiß und durchsichtig, sondern ganz schwarz. Theo kannte Ameisen nur aus der Ferne und von Bildern, aber das sollte sich jetzt ändern. Er schlich zum Schrank und öffnete ganz vorsichtig die Tür. Sie quietschte, und erschrocken stoppte er für eine Sekunde. Noch langsamer zog er die Tür ganz auf und holte das Fläschchen mit dem Etikett ‚Ameise‘ heraus. Er schraubte es auf und roch daran.

Hm, dachte Theo, das riecht wie Erde. Und wie Wasser. Und wie nasses Gras.

Plötzlich hörte er hinter sich ein Geräusch. Theo drehte den Kopf und sah, wie sich die Klinke der Klassenzimmertür bewegte. Schreck durchzuckte ihn. Jetzt saß er in der Tinte. Wenn man ihn hier erwischte, würde er ganz schön Ärger bekommen, denn an den Schrank durfte man nur, wenn die Lehrer es erlaubten.

Was sollte er tun?

Er versuchte, das Fläschchen wieder zuzuschrauben. Aber seine Hände zitterten vor Aufregung, und so rutschte der Verschluss immer wieder ab. Nach ein paar Versuchen hatte er es dann doch geschafft und stellte die Flasche zurück.

Aber sie drohte im Schrank umzufallen!

Oh nein!, dachte Theo, und sein Gesicht wurde abwechselnd heiß und kalt. Wenn ich was kaputt mache, gibt es bestimmt eine ganz gewaltige Strafarbeit!

Doch seine mittleren Arme, die er ganz schnell auch noch zu Hilfe nahm, konnten das Fläschchen auffangen.

Das alles hatte nur wenige Sekunden gedauert, aber die Tür hatte sich unterdessen geöffnet.

Eine Stimme fragte: „Theo, was tust du da?“

„Äh, also, ich, nun…“, stotterte Theo, aber dann erkannte er die Stimme. Es war Ina, eine Freundin. Ina war ein Jahr jünger als er und einen Kopf kleiner. Lange hatte sie in einer Kammer in Theos Nachbarschaft gewohnt, bis sie dann leider in ein anderes Viertel weggezogen war. Aber die beiden Termitenkinder trafen sich weiter häufig nach der Schule.

Theo atmete erleichtert auf. Ina würde ihn nicht verraten, ganz sicher nicht. „Rasch, komm rein und mach die Tür zu!“, flüsterte er und winkte mit zwei Händen.

Ina tat wie geheißen und kam näher. „Ah, du räumst den Duftschrank auf. Bist du wieder im Unterricht eingeschlafen und hast eine Strafarbeit bekommen? Bist du bald fertig? Wir haben heute doch denselben Nachhauseweg, weil ich zu meiner Oma gehe.“

Theo schüttelte den Kopf. Seine Fühler flogen hin und her, da er in seiner Aufregung vergessen hatte, die Kopfmuskeln anzuspannen.

Ihm war nämlich eine ganz tolle Idee gekommen!

Das wird ein Abenteuer!, dachte er begeistert.

„Nein, keine Strafarbeit. Aber Herr Stock hat die Tür nicht richtig zugemacht. Also habe ich das hier herausgenommen.“ Er griff nach der Flasche mit dem Ameisenduft und zeigte sie Ina.

„Ui!“, machte das Mädchen, als sie das Etikett las.

„Du, Ina, drüben am großen Teich, neben dem riesigen Stein, dort gibt es doch einen Ameisenbau. Den will ich mir ansehen. Kommst du mit?“

Ina machte große Augen. „Zu den Ameisen?“, flüsterte sie voller Ehrfurcht. „Aber die sollen doch so unglaublich stark sein. Was, wenn sie uns erwischen, dann…“

Theo unterbrach sie und winkte ab. „Pah“, sagte er. „Stark? Ich bin auch stark. Schau!“

Er stellte das Fläschchen auf den Tisch und winkelte seine vier Arme an. Sein Gesicht wurde rot vor Anstrengung. Ina sah bewundernd auf die Muskelberge der Arme.

Ja, Theo ist wirklich stark, dachte sie.

„Komm!“, meinte Theo, nahm die Flasche und ging zur Tür des Klassenzimmers. Er wartete nicht auf ihre Antwort, ob sie überhaupt mitkommen wollte.

Als Theo an ihr vorbei war, spannte auch Ina ihre Armmuskeln an. Doch so sehr sie sich auch anstrengte, man sah einfach keine Muskelberge. Enttäuscht drehte sie sich um. Aber sie nahm sich ganz fest vor, sich in Zukunft im Sportunterricht mehr anzustrengen.

„Warte!“, rief sie mit ihrer hellen Stimme, doch Theo hatte den Klassenraum bereits verlassen. Ina ließ sich auf alle Sechse nieder und rannte los. Wenn Theo auch viel stärker war als sie, im Sechserlauf war sie eine der besten der Schule, und so hatte sie den Freund schnell eingeholt, obwohl dieser schon fast an der Treppe auf der anderen Seite der Pausenhalle war.

Doch Theo ging nicht durch die Tür hinaus, sondern stieg die Treppe hoch.

Gesamte Geschichte:
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